Deutsche Teeimporteure & -händler reagieren auf Studie zu Arbeits-bedingungen auf Teeplantagen in Indien

Die im Juli 2019 von der Rosa Luxemburg Stiftung veröffentlichte Studie "Edle Tees für Hungerlöhne. Teeexporte von Darjeeling nach Deutschland"  thematisiert die Lebens- und Arbeitsbedingungen auf Teeplantagen sowie die zentrale Bedeutung deutscher Teeimporteure und -händler für Teeproduzenten in Darjeeling. Laut der Studie ist der von deutschen Teeimporteuren ausgeübte Preisdruck mitverantwortlich für die extrem niedrigen Löhne und schlechte Bedingungen, u.a. mangelnde Gesundheitsversorgung und Kinderbetreuung sowie mangelhafte Unterkünfte. Drei der vier Plantagen sind durch die Rainforest Alliance und zwei durch Fairtrade zertifiziert.

Business & Human Rights Resource Centre hat die in der Studie genannten Unternehmen zu einer Stellungnahme eingeladen. Die Stellungnahmen von Dethlefsen & Balk, der Ostfriesischen Tee Gesellschaft, Hälssen & Lyon und Ronnefeldt finden Sie untenstehend. Edel Tee und Hamburger Teespeicher haben keine Stellungnahme abgegeben. Teekampagne und Teegschwendner äußerten sich in der taz zu der Studie und Fairtrade und Rainforest Alliance nahmen jeweils auf ihren Webseiten Stellung (ebenfalls unten verlinkt).

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Bericht
14 August 2019

Edle Tees für Hungerlöhne - Menschenrechtsverletzungen auf Teeplantagen im indischen Darjeeling

Autor/in: Benjamin Luig, Rosa Luxemburg Stiftung

Juli 2019

Die Studie «Edle Tees für Hungerlöhne. Teeexporte von Darjeeling nach Deutschland» zeigt die zentrale Bedeutung deutscher Importeure für die Teeproduzenten in Darjeeling in Indien auf. Unternehmen wie die Ostfriesische Tee Gesellschaft (OTG), Teekampagne, TeeGschwendner und andere kaufen schätzungsweise ein Viertel der jährlichen Teeproduktion aus Darjeeling auf und exportieren den Tee nach Deutschland. Die Teepflückerinnen vor Ort erhalten nur zwischen 1,4 und 2,8 Prozent des Ladenpreises in Deutschland als Lohn. Dieser Lohn reicht für ein Leben in Würde bei Weitem nicht aus. Hinzu kommt, dass Löhne in einzelnen Fällen gar nicht oder nur mit Verzögerung ausgezahlt werden. Der von deutschen Teeimporteuren ausgeübte Preisdruck verschärft die Krise, in der sich der Teesektor in Darjeeling gegenwärtig befindet. Teepflückerinnen leiden zudem unter mangelhaften Unterkünften und mangelndem Zugang zu essentieller Infrastruktur wie Toiletten.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Bundesregierung ein Lieferkettengesetz verabschieden sollte, das die menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten von Teeimporteuren mit Sitz in Deutschland festschreibt. Damit können deutsche Unternehmen verpflichtet werden, für die Einhaltung von Menschenrechten entlang der gesamten Lieferkette Sorge zu tragen.

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Antwort
13 August 2019

Antwort von Ronnefeldt

Autor/in: Ronnefeldt

...Ronnefeldt ist seit fast 200 Jahren im Teehandel aktiv. Da wir ausschließlich mit orthodox hergestellten Blatttees handeln, bewegen wir uns in einem Marktsegment, welches nur ca. 30 Prozent der Weltproduktion ausmachen. Wir handeln mit Tees, u.a. aus China, Japan, Taiwan – seit mehr als tausend Jahren die Teeursprungsländer - und auch mit Tees aus Darjeeling, wo der Tee seit dem 19. Jahrhundert angebaut wird. Als nachhaltiges handelndes Familienunternehmen arbeiten wir mit den Partnern vor Ort seit Generationen respekt - und verantwortungsvoll auf Augenhöhe. Unsere Tee-Einkäufer überzeugen sich in regelmäßigen Besuchen von vorherrschenden Lebensbedingungen der in den Teegärten lebenden Menschen. Jeder Teelieferant verpflichtet sich, die in unseren AEB/Allgemeine Einkaufsbedingungen festgeschriebenen Normen einzuhalten. Sie entsprechen den gültigen Gesetzen der Internationalen Arbeitsorganisation/ILO und den Richtlinien der Vereinten Nationen.

Wir sind seit 2013 als eines der wenigen deutschen Tee-Unternehmen Mitglied bei Ethical Tea Partnership/ETP, London. Die anerkannte gemeinnützige Mitgliederorganisation setzt sich nachhaltig für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und sozialen Standards von Teepflückern in allen Ursprungsländern ein. Sie schafft ein Netzwerk von Partnern im Anbau und Handel und arbeitet aktiv vor Ort in allen Ländern:

http://www.ethicalteapartnership.org/about-us/mission/

http://www.ethicalteapartnership.org/community-empowerment-programme/

Wir können nicht nachvollziehen, warum die umfangreichen Erkenntnisse und Studien dieser renommierten NGO nicht in die Rosa Luxemburg Studie eingeflossen sind? ...

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Antwort
12 August 2019

Antwort der Ostfriesischen Tee Gesellschaft

Autor/in: Ostfriesische Tee Gesellschaft

Für die Ostfriesische Tee Gesellschaft ist Nachhaltigkeit untrennbar mit einer verantwortungsvollen Unternehmensführung verbunden. Unsere Nachhaltigkeitsstrategie richtet sich aus an den drei übergeordneten Prinzipien ‚Natur schützen. Menschen fördern. Qualität erhalten.‘ Gleichzeitig teilt sie sich auf in fünf Handlungsfelder, in denen wir aktiv sind: Kunden und Produkte, Lieferkette, Energie und Umwelt, Mitarbeiter und Gesellschaft.

Was wir bereits erreicht haben, welche Ziele wir als nächstes angehen und welche Herausforderungen es im Teehandel zu meistern gilt, lesen Sie in unserem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht 2016/2017:

otg-nachhaltigkeitsbericht-de

sowie auf unserer Website:

www.otg.de/nachhaltigkeit

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Antwort
12 August 2019

Antwort von Dethlefsen & Balk

Autor/in: Dethlefsen & Balk

Wir stimmen mit der Kritik überein, dass die festgelegten Mindestlöhne in Indien aus unserer europäischen Sicht nicht immer für ein existenzsicherndes Einkommen ausreichen...

Rückblickend auf unseren zahlreichen Ursprungsreisen während der vergangenen Jahrzehnte können wir dennoch mit Bestimmtheit sagen, dass sich die Bedingungen der Arbeiter/-innen vor Ort kontinuierlich verbessert haben, insbesondere bei den Lebensbedingungen und sozialen Einrichtungen, auch, weil der Druck von außerhalb stetig zunimmt. Der Zeitraum der Studie umfasst lediglich zwei bis drei Jahre und kann dadurch natürlich nicht den langfristigen Umbruch erkennen, der sich vor Ort vollzieht. Es handelt sich um sehr komplexe, politische, soziale und wirtschaftliche Verknüpfungen, die von außerhalb sehr schwer einsehbar sind und auf die wir nur sehr bedingten Einfluss haben...

Wir bewegen uns hauptsächlich im gehobenen bis sehr hohen Preissegment. Als solches zahlen wir auch Einkaufspreise die deutlich über den in der Studie genannten Durchschnittspreisen liegen und innerhalb der letzten Dekade um rund 50% gestiegen sind. Dadurch tragen wir unseren Teil dazu bei, es den Inhabern der Teeplantagen zu ermöglichen, faire Löhne zu zahlen und die gestiegenen Kosten vor Ort zu decken...

Wir werden uns auch in Zukunft mit Nachdruck dafür einsetzen, dass sich die Arbeitsbedingungen vor Ort in Darjeeling sowie natürlich in allen weiteren Tee-Ursprungsregionen weiterhin verbessern.

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Antwort
8 August 2019

Antwort von Hälssen & Lyon

Autor/in: Hälssen & Lyon

...Wir nehmen die in der Studie formulierten Vorwürfe jedoch sehr ernst und haben unseren Lieferanten um Aufklärung gebeten. Unser Partner distanziert sich entschieden von den erhobenen Vorwürfen und hat dies detailliert widerlegt. Nichtsdestotrotz werden wir die Verhältnisse vor Ort überprüfen sowie unser Lieferanten-Managementsystem bei Bedarf anpassen...

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Ohne Antwort
7 August 2019

Edel Tee hat nicht geantwortet

Ohne Antwort
7 August 2019

Hamburger Teespeicher hat nicht geantwortet

Item
12 July 2019

Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung zu Missständen beim Tee- Anbau im indischen Darjeeling

Autor/in: GEPA

...in der aktuellen Studie „Edle Tees für Hungerlöhne“ (hg. Rosa-Luxemburg-Stiftung) kritisiert Autor Benjamin Luig Niedriglöhne und elementare Verstöße gegen Rechte von Teepflückerinnen im indischen Darjeeling. Dass es auch anders geht, zeigt unser langjähriger Partner Tea Promoters India (TPI), der in Darjeeling eine Pionierrolle im Teesektor hat. Er wurde in der Studie nicht untersucht...

Wir begrüßen, dass die Rosa-Luxemburg-Stiftung Missstände in der indischen Tee-Industrie aufdeckt und auch Teehändler hier in die Pflicht nimmt. Die Empfehlung der indischen Regierungskommission, den Tageslohn entsprechend dem errechneten Bedarf anzuheben, unterstützen wir ebenfalls. Wie wir von unserem langjährigen Handelspartner Tea Promoters India (TPI) erfahren haben, laufen gerade Verhandlungen zwischen Regierung, Gewerkschaften und Arbeitgebern mit dem Ziel, Löhne im Tee-Sektor deutlich zu erhöhen...

Mit Blick auf die Missstände beim Tee-Anbau in Darjeeling unterstützen wir die Forderungen der Studie und sehen die Verantwortung bei der indischen und deutschen Regierung sowie bei den Teehändlern selbst... 

Den Appell des Autors der Teestudie, menschenrechtliche Sorgfaltspflichten von transnational agierenden Unternehmen mit Sitz in Deutschland generell und an diesem Beispiel auch für Tee verbindlich festzuschreiben, unterstützen wir nachdrücklich...

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Artikel
12 July 2019

Teurer Tee, billige Arbeitskraft

Autor/in: Hannes Koch, taz

Eine Studie kritisiert die Situation von Pflückerinnen in der indischen Region Darjeeling...

Günter Faltin, Gründer der in Potsdam ansässigen Teekampagne, weist die Vorwürfe zurück. Koste ein Kilo Tee im hiesigen Verkauf 32 Euro, flössen davon 17 Euro an die Plantage. „Wir zahlen gute Preise“, so Faltin. Zum Lohn von 176 Rupien täglich müsse man weitere Zahlungen wie Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung addieren.

Zu [Studienautor] Luigs Forderung, die Plantagen zu jährlichen Bonuszahlungen zugunsten der Arbeiterinnen zu verpflichten, sagt Faltin: „Ich würde gerne die Löhne erhöhen.“ Kirchen und Gewerkschaften in Indien hätten der Teekampagne aber geraten, sich nicht in die „indische Innenpolitik“ einzumischen...

Teegschwendner aus dem rheinischen Meckenheim erklärt: „Wir tragen durch Zahlen von fairen und höchsten Preisen zu einer positiven Entwicklung in den Teeregionen bei.“ Zusätzlich zum Lohn würden die Arbeiterinnen subventionierte Grundnahrungsmittel erhalten und Unterkünfte auf den Plantagen zur Verfügung gestellt bekommen.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung verbindet die Analyse mit der Forderung nach einem „nationalen Lieferkettengesetz“... Wenn Gewerkschaften und einheimische Unternehmen in einem Land wie Indien freilich unabhängige Tarifverhandlungen führen, ließe sich gegen die vereinbarten Löhne auch mit einem solchen Gesetz wohl wenig ausrichten.

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Item
10 July 2019

Statement zur Studie "Edle Tees für Hungerlöhne" von der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Autor/in: Oikocredit

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) kritisiert in ihrer aktuellen Studie "Edle Tees für Hungerlöhne" die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Tee-Pflücker*innen in der nordindischen Region Darjeeling. Unter den untersuchten Plantagen gehören zwei zu unserer Partnerorganisation Ambootia/DOTEPL.

Als Sozialinvestor orientiert sich Oikocredit an dem Prinzip, einkommensschwache Menschen und Gemeinschaften in die Lage zu versetzen, ihre Lebenssituation zu verbessern. Das Potenzial von Ambootia/DOTEPL zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Arbeiter*innen im Teesektor war einer der Gründe, warum sich Oikocredit für eine Investition in das Unternehmen entschied.

Die in der für die Rosa-Luxemburg-Stiftung erstellten Studie erhobenen Vorwürfe nehmen wir daher sehr ernst. Wir werten die Studie derzeit aus und sind mit Ambootia/DOTEPL dazu in Kontakt. Basierend auf unseren Erkenntnissen werden wir geeignete Maßnahmen ergreifen. Unser Ziel ist dabei wie in unserer Arbeit allgemein, die Lebensverhältnisse der Menschen nachhaltig zu verbessern. 

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