Interview mit Deutschlandchef von Primark zu Menschenrechten und Lieferkettengesetz

Autor/in: Ileana Grabitz und Zacharias Zacharakis, Zeit Online, Veröffentlicht am: 14 January 2020

"Kann ein Shirt für 8 Euro wirklich fair sein, Herr Krogmann?", 13. Januar 2020

Krogmann: ... Der Preis sagt nichts darüber aus, unter welchen Bedingungen produziert wurde. Er sagt höchstens etwas darüber aus, ob ein Unternehmen in seiner Kalkulation einen hohen oder einen niedrigen Preisaufschlag vornimmt. 98 Prozent der Produktionsstätten, die Produkte für Primark herstellen, fertigen auch Kleidung für die Wettbewerber, die ihre Textilien zu ähnlichen Preisen einkaufen wie wir, sie dann aber zu deutlich höheren Preisen auf den Markt bringen. Wir Discounter setzen auf hohe Stückzahlen, um möglichst geringe Preisaufschläge anzubieten. Die anderen lassen vielleicht noch hochwertige Etiketten einnähen oder die Ware einzeln verpacken und schlagen dann beim Preis auf...

ZEIT ONLINE: ... Aus Sicht einiger deutscher Minister reich[en freiwillige Bemühungen] aber nicht aus. Sie fordern ein Lieferkettengesetz, mit dem Unternehmen zu fairen Produktionsbedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette verpflichtet werden sollen. Was halten Sie davon?

Krogmann: Wir unterstützen die Einführung eines Lieferkettengesetzes sehr, auch wenn wir die Details noch nicht kennen. Wir schließen uns auch dem offiziellen Aufruf von mehr als 40 Unternehmen an, ein solches Gesetz auf den Weg zu bringen und zu beschließen.

ZEIT ONLINE: Aber warum? Große Teile der deutschen Wirtschaft schlagen Alarm, weil sie den zusätzlichen Aufwand und vielleicht auch Sanktionen fürchten. 

Krogmann: Weil es dazu führen wird, dass sich die Einhaltung von Menschenrechten verbessert. Weil sich alle Firmen dann an dieselben Auflagen halten müssen...

Mit gutem Grund wurde vor Jahren auf einem G7-Gipfel entschieden, dass es eine weltweit bindende Regelung braucht. Aber die gibt es noch nicht. Insofern müssen wir auf nationaler Ebene anfangen...

ZEIT ONLINE: Mit welchen Zusatzkosten müssen Sie rechnen, wenn das Gesetz in Deutschland kommt?

Krogmann: Das wissen wir erst, wenn wir das Gesetz kennen. Noch ist nichts formuliert. Faire Produktionsbedingungen haben aber absolute Priorität, egal, was es kostet. Wenn wir große Mehrkosten haben, müssen wir die an anderer Stelle wieder reinholen...

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Betreffende Unternehmen: Primark (part of Associated British Foods)