Brasilien: Wanderarbeiter*innen sollen bei Nestlé-Kaffeezulieferer unter mutmaßlich „unmenschlichen Bedingungen“ gearbeitet haben; inkl. Stellungnahmen der Unternehmen
"Moderne Sklaverei; Ausgebeutet bei Nestlés Kaffeelieferanten", Juni 2025
In ihrem Bericht werden die Arbeitsinspektor*innen festhalten, dass die Kriterien für «sklavereiähnliche Arbeitsbedingungen» nach brasilianischem Strafgesetz auf der Farm in nicht weniger als 24 Punkten erfüllt sind. Festgestellt wird demnach sowohl eine Reihe von «entwürdigenden Arbeitsbedingungen» wie fehlendes Trinkwasser und eine unwürdige Unterbringung als auch Schuldknechtschaft, also die Einschränkung der Bewegungsfreiheit aufgrund von Schulden, im vorliegenden Fall verstärkt durch «Drohungen, Betrug, Täuschung oder Nötigung»...
Wie unsere Recherchen – trotz mangelnder Transparenz in den Lieferketten – zeigen, ist Mata Verde nicht die einzige Farm in Nestlés Lieferkette, auf der in den letzten drei Jahren gravierende Missstände ans Licht kamen. So stellten Arbeitsinspektor*innen im Jahr 2022 auf den Farmen Três Irmãs sowie Primavera im nördlich von Espírito Santo gelegenen Bundesstaat Bahia, die ebenfalls den Nescafé-Plan-Partner Cooabriel belieferten, massive Verstösse gegen das brasilianische Arbeitsrecht und auf Três Irmãs auch moderne Sklaverei fest.
In einem dritten Fall mussten am 4. Juli 2023 drei Arbeiter auf der Farm Vista Alegre in Patrocínio im Bundesstaat Minas Gerais aus sklavereiähnlichen Bedingungen befreit werden. Rechnungsbelege zeigen, dass die Farm ihre Ernte an NKG Stockler verkaufte, eine Tochter des weltgrössten Kaffeehändlers Neumann Kaffee Gruppe mit Sitz in Hamburg und wichtigen Handelsniederlassungen in Zug. Die Ernte war durch Nespressos firmeneigenes Nachhaltigkeitslabel AAA zertifiziert, für die Lieferung erhielt der Produzent einen entsprechenden Aufpreis... Nestlé bestätigt auf Anfrage, dass der Nespresso-Lieferant vom AAA-Programm «suspendiert» wurde, «nachdem wir von den Vorfällen erfahren haben» (siehe Stellungnahme Nestlé unten).
Auf Anfrage erklärt Nestlé, dass das Unternehmen derzeit von «der 4C-zertifizierten Gruppe» aus insgesamt 500 Farmen der Kooperative Cooabriel (eine Untereinheit aller Cooabriel Farmen) Kaffee beziehe. Der Konzern hält fest, dass er von den im Artikel erwähnten Farmen Mata Verde, Três Irmãs und Primavera keinen Kaffee beziehe, diese seien auch nicht Teil des Nescafé Plan... Die vollständige Stellungnahme von Nestlé finden Sie hier.