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Bericht

22 Dez 2021

Autor:
Dr. Jiska Gojowczyk, SÜDWIND e.V.

Sozialaudits in der öffentlichen Beschaffung am Beispiel Schuhe und Leder

Sozialaudits reichen nicht aus, um soziale Missstände in Wertschöpfungsketten auszuschließen – groß sind die Probleme in den Verfahren und die Katastrophen, die trotz solcher Prüfungen nicht verhindert wurden. Gleichzeitig wird in der öffentlichen Beschaffung oft direkt oder indirekt auf eben solche Audits zurückgegriffen, wenn im Einkaufsprozess Arbeits- und Menschenrechte bei der Herstellung eines Produkts berücksichtigt werden sollen. Diese Bestandsaufnahme nimmt neueste Auswertungen des Themenfeldes auf und diskutiert exemplarisch nachhaltige Beschaffung in der Produktgruppe Schuhe und Leder. Öffentliche Einkäufer*innen und Marktteilnehmende der Produktgruppe erhalten tiefere Einblicke in die aktuelle Debatte und Anregungen, diese aufzugreifen...

Kommunen sollten sich weiterhin Produktgruppen zuwenden, in denen große soziale Risiken bestehen, während das Angebot mit guten Nachweisen dünn ist. Gerade dort ist es wichtig, Marktakteuren zu signalisieren: Veränderungen hin zu mehr Sozialstandards sind zukünftig nötig. Sozialaudits von Produktionsstätten sind recht verbreitete Dokumente, die als Nachweise in der öffentlichen Beschaffung genutzt werden können... Die Vorlage eines Sozialaudits allein kann aktuell aber nicht als ausreichender Beleg für Sozialstandards in Lieferketten gewertet werden. In der Elektronikbranche existiert mit Electronics Watch eine Organisation, die für andere Sektoren als Vorbild dienen kann. Mit zivilgesellschaftlichen Partnerorganisationen an relevanten Produktionsstandorten kann Electronics Watch die Stimme der Arbeiter*innen stärken und zu Beschaffungsämtern in Deutschland kommunizieren. Lieferketten werden transparenter. Aufgrund des starken Sektorbezugs ist das Modell für einige Produktgruppen attraktiv, wenn auch mittelfristig nicht für jede Produktgruppe nachbildbar. Unternehmen sollten Maßnahmen ergreifen, welche Sozialaudits an Produktionsstandorten flankieren und ergänzen. Ein risikobasiertes Lieferkettenmanagement gemäß internationalen Anforderungen zur Erfüllung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten, was auch die eigenen Geschäftspraktiken kritisch hinsichtlich der Auswirkungen auf die Wertschöpfungsketten überprüft, sollte dabei normal werden. Dieses Vorgehen muss künftig von der öffentlichen Beschaffung stärker eingefordert werden. Äußerst wirksam wären sicher verbindliche Mindestanforderungen zu menschenrechtlicher Sorgfalt im Vergaberecht... Denkbar wäre auch, nur Sozialaudits anzukennen, die von Organisationen erstellt wurden, die selbst ihrer menschenrechtlichen Sorgfalt gerecht werden. Dazu sind weitere Debattenbeiträge und politischer Wille notwendig... Eine engagierte Gesetzgebung in der Europäischen Union könnte diesen Bereich schnell voranbringen, u. a. dadurch, Audits ausstellende Organisationen für Menschenrechtsverstöße in überprüften Betrieben mit haftbar zu machen und menschenrechtliche Sorgfalt in diesen Organisationen einzufordern.