Brasilien: Große Sojahändler kündigen Austritt aus Abkommen gegen Amazonas-Abholzung an
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"Wenn sich der Waldschutz nicht mehr lohnt", 16. Februar 2026
Der Rückzug großer Unternehmen könnte das Ende des sogenannten Soja-Moratoriums in Brasilien bedeuten. Das freiwillige Abkommen wurde 2006 zwischen Soja-Händlern, NGOs und Brasiliens Regierung geschlossen. Das Ziel: die Zerstörung des Regenwaldes zu stoppen. Konkret einigte man sich darauf, kein Soja mehr zu handeln oder zu finanzieren, das auf Flächen angebaut wurde, die nach 2008 durch Abholzung im Amazonasgebiet entstanden sind...
"Es hat uns benachteiligt", sagt Lucas Beber, Präsident von Aprosoja, der Produzentenvereinigung aus dem Bundesstaat Matto Grosso. Es werde oft fälschlicherweise angenommen, dass das Soja-Moratorium illegale Abholzung bekämpft habe, so Beber. Es habe aber auch die legale Abholzung bekämpft.
"Da die am Moratorium beteiligten Unternehmen über 90 Prozent des Käufermarktes repräsentieren, blieb uns Produzenten keine Gewinnspanne mehr, um Sojabohnen zu verkaufen. Legal agierende Produzenten wurden wie illegale behandelt", sagt er...
Der Verband der Pflanzenölindustrie ABIOVE hat bereits angekündigt, ganz aus dem Pakt auszutreten. ABIOVE vertritt die größten Trader, die US-Unternehmen Bunge und Cargill, Amaggi aus Brasilien oder Cofco aus China...
Brasilien ist der Hauptlieferant von Sojabohnen für die Europäische Union. Dort kommen sie vor allem als Tierfutter zum Einsatz. Wenn die großen Händler das Moratorium nun verlassen, droht auch deutlich mehr Soja von kürzlich gerodeten Regenwaldflächen in die EU zu gelangen - und das zu einem kritischen Zeitpunkt für die europäische Politik...
Der Händlerverband ABIOVE erklärte auf Anfrage der ARD derweil, das Moratorium habe "ein unbestreitbares Erbe hinterlassen, das Brasilien als globalen Vorreiter in Sachen nachhaltiger Produktion gefestigt" habe. Dieses Erbe ginge nicht verloren, jeder Einzelne werde weiterhin die strengen Anforderungen der globalen Märkte erfüllen.
Laut einer Vorstudie des IPAM (Instituto de Pesquisa Ambiental da Amazônia) könnte die Entwaldungsrate im Amazonas durch das Ende des Moratoriums bis 2045 jedoch um bis zu 30 Prozent wachsen. 14 europäische Großkunden, darunter Lidl und Aldi, kündigten an, kein brasilianisches Soja mehr zu kaufen, sollten die Lieferketten nun nicht mehr nachvollziehbar sein.