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Artikel

3 Mär 2023

Autor:
Tagesschau,
Autor:
Greenpeace

Fischsterben in der Oder geht laut Greenpeace-Bericht auf Salzeinleitungen polnischer Bergbaubetriebe zurück

"Fischsterben geht wohl auf Bergbaubetriebe zurück", 3. März 2023

Das Oder-Fischsterben geht offenbar auf Salzeinleitungen polnischer Bergbaubetriebe zurück. Das zeigt eine Untersuchung von Greenpeace, die dem SWR und dem "Tagesspiegel" vorliegt. Im Fokus standen dabei Zuflüsse, an denen die Betriebe Abwässer einleiten.

Die Bilder des dramatischen Fischsterbens in der Oder gingen im vergangenen Sommer um die Welt. Damals waren ein erheblicher Teil des Fischbestandes und zahlreiche weitere Tierarten verendet. Lange Zeit war unklar, was zu der Umweltkatastrophe führte.

Das könnte sich nun ändern. Wissenschaftler von Greenpeace Polen führten in den vergangene Wochen immer wieder Wasseranalysen im Süden Polens durch. Jetzt legten sie einen Bericht vor, der dem "Tagesspiegel" und dem SWR exklusiv vorab vorliegt.

Laut diesem Report sind Verursacher mehrere Betriebe der Steinkohleindustrie in der Region Schlesien, die in großen Mengen Salzwasser in die Zuflüsse der Oder einleiten. Gewässerexperten waren sich schon länger einig, dass ungewöhnlich hohe Salzgehalte im Sommer zur Vermehrung einer giftigen Algenart (Prymnesium Parvum) geführt hatten, die das Fischsterben auslöste. Nur woher das Salz kam, war bisher unklar.

Problematisches Salzwasser aus dem Bergbau

Im Fokus der aktuellen Greenpeace-Untersuchungen standen die Zuflüsse der Oder, in die Bergbaubetriebe ihre Abwässer einleiten. In der Region gibt es zahlreiche Steinkohleminen. Diese pumpen unentwegt sehr große Mengen Wasser aus den Stollen ab, damit dort gearbeitet werden kann. Es ist bekannt, dass dieses "Pumpwasser", je nach Region, sehr salzhaltig sein kann.

Die Greenpeace-Wissenschaftler entnahmen rings um die Bergbaubetriebe mehrmals Wasserproben und analysierten sie. [...]

Hierbei ergab sich laut Untersuchungsbericht ein eindeutiges Bild. Während oberhalb, also flussaufwärts, die Salzgehalte sehr niedrig lagen, stiegen die Salzgehalte ab den Einleitungsstellen der Minenbetriebe massiv an. Die Salzkonzentration lag an mehreren Stellen sogar höher als in Meerwasser. Die Toxikologen von Greenpeace sind sich sicher, dass diese Salze zur massenhaften Vermehrung der giftigen Algen führten. [...]

"Chronisch krank"

Das größte polnische Bergbauunternehmen Polska Grupa Górnicza (PGG), das die meisten Minen im Einzugsgebiet betreibt, beantwortete Fragen des SWR trotz mehrfacher Nachfrage nicht. Das Unternehmen JSW SA, das dort eine Mine betreibt, teilte auf Anfrage mit: "Die Einleitung von Salzwasser in die Umwelt basiert auf Genehmigungen der zuständigen Behörden. Es gab zahlreiche Überprüfungen, bei denen keine Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden."

Das polnische Umweltministerium beantwortete konkrete Fragen des SWR ebenfalls nicht - teilte lediglich allgemein zu ihren Gewässerkontrollen mit: "Das zentrale Forschungslabor für Umweltschutz führt Tests und Messungen einschließlich Probenahmen zum Zwecke der Kontrolltätigkeit und der staatlichen Umweltüberwachung durch. In diesem Rahmen werden derzeit zweimal wöchentlich an 20 Mess- und Untersuchungsstellen Proben des Oderwassers entnommen."

Wer sich die öffentlich verfügbaren Messergebnisse der polnischen Behörden ansieht, findet auch dort immer wieder Grenzwertüberschreitungen beim Salzgehalt. Dazu schreibt das polnische Umweltministerium, das zu ähnlichen Ergebnissen wie Greenpeace kommt: "Die höchsten Salzgehalte werden im Oberlauf des Flusses beobachtet, wo unterirdisches Wasser aus dem Steinkohlebergbau eingeleitet wird." [...]

Greenpeace Polen warnt davor, dass sich solch eine Umweltkatastrophe wiederholen könnte. Zudem sei von den massiven Salzwassereinleitungen der Bergbauindustrie nicht nur die Oder, sondern auch die Weichsel massiv betroffen. In seinem Abschlussreport fordert Greenpeace daher die polnischen Umweltbehörden zum Handeln auf. Es müssten sofortige Umweltprüfungen bei den Bergbaubetrieben durchgeführt, die Abwassermengen reduziert und Entsalzungsanlagen eingebaut werden. [...]