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Artikel

7 Mai 2026

Autor:
AP News,
Autor:
DIE ZEIT

Indischer Ozean: Europäische Fischereiunternehmen umgehen durch Umflaggen ihrer Schiffe europäische Thunfischfangquoten, so ein Bericht

"Überfischung: EU-Fischer zapfen durch Umflaggung Fangquoten im Indischen Ozean an"

Die EU hatte sich dazu verpflichtet, den Fang von Thunfisch zu reduzieren. Aber indem Fischereischiffe die Flaggen von anderen Staaten nutzen, können sie Regeln umgehen.

Thunfisch-Fangschiffe aus der EU fischen vermehrt unter Flaggen anderer Länder im Indischen Ozean, um Fangquoten zu umgehen. Das geht aus einem neuen Bericht hervor, der von der Blue Marine Foundation und dem Beratungsunternehmen Kroll veröffentlicht wurde. Demnach geht etwa ein Drittel der dortigen Fänge von Thunfischarten, deren Bestände sich nach einer Zeit der starken Überfischung gerade erst langsam wieder erholen, auf europäische Unternehmen zurück. [...]

Fang von tropischem Thunfisch nimmt zu

Ermöglicht wird dies laut Jess Rattle von der Organisation Blue Marine Foundation unter anderem dadurch, dass immer mehr Schiffe in Staaten vor Ort registriert werden, um Zugang zu höheren Fangquoten zu erhalten. Auf diese Art sei die von Europa kontrollierte Flotte auf mehr als 50 Ringwadenfänger und Versorgungsschiffe gewachsen und der Fang von tropischem Thunfisch habe zugenommen, obwohl die Europäische Union sich eigentlich zu einer Reduzierung verpflichtet habe. [...]

Trotz der großen Entfernung sind die europäischen Fangflotten im Indischen Ozean dominierend. Spanische und französische Thunfisch-Unternehmen begannen dort in den 1980er-Jahren mit dem Einsatz von Ringwadenfängern. Diese arbeiten mit riesigen Netzen, die ringförmig um Schwärme von Fischen ausgebracht und dann zusammengezogen werden – ähnlich wie bei einer Tasche oder einem Sack mit Zugband.

Europäische Fischereiunternehmen nutzen Flaggen anderer Staaten

Immer wieder gab es angesichts der Aktivitäten auch Streit zwischen der EU und Staaten vor Ort. Vor fünf Jahren, als die Gelbflossenthunbestände stark zurückgingen, warfen die Malediven den Europäern vor, keine ernsthaften Vorschläge zur Senkung der Fangquoten vorzulegen. Im Jahr 2023 lehnte die EU einen Vorstoß Indonesiens für ein Ringwadennetzverbot ab.

Um eine Erholung der Bestände zu ermöglichen, führte die Indian Ocean Tuna Commission zuletzt neue Regelungen ein, die allmählich Wirkung zeigen. Die EU erklärte sich bereit, den Fang von Gelbflossenthun durch Schiffe mit EU-Flagge um 21 Prozent zu reduzieren. Genau das hat aber offenbar viele europäische Unternehmen dazu gebracht, die Quoten anderer Staaten in den Blick zu nehmen, um die eigenen Fangmengen stabil halten zu können.

Ähnlich wie aktuell die Tanker der sogenannten Schattenflotte nutzen auch viele Fischereischiffe die Flaggen von Staaten, die für einen sehr lockeren Umgang mit internationalen Regeln bekannt sind – oder deren Regierungen einfach nicht die Ressourcen haben, um eine Einhaltung von Regeln auf hoher See durchzusetzen. In einem Bericht im Januar zeigte die Umweltorganisation Oceana, dass auch europäische Fischereiunternehmen regelmäßig auf solche sogenannten Billigflaggen setzen.