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Artikel

22 Mär 2023

Autor:
tagesschau,
Autor:
International Consortium of Investigative Journalists

Laut Recherche gelangten trotz EU-Holzhandelsverordnung & Sanktionen tausende Tonnen Holz aus Myanmar nach Europa

"Teakholz füllt die Kassen der Militärjunta", 2. März 2023

Trotz Sanktionen gelangten auch 2022 Tausende Tonnen Holz aus Myanmar nach Europa. Die Menge liegt mit 3700 Tonnen sogar noch über der des Vorjahres. Die Gewinne füllen die Kassen einer brutalen Militärjunta.

Es weist einzigartige Eigenschaften auf und wird deshalb gern in Luxusjachten verbaut: Teakholz. Dessen natürliche Vorkommen in Myanmar sind inzwischen fast vollständig vernichtet. Knapp ein Jahrhundert Abholzung ließen von Myanmars Teak-Wäldern fast nichts übrig. [...]

Doch seit einem gewalttätigen Putsch 2021 füllt das von der MTE vertriebene Holz die Kassen einer Militärjunta, der schwerste Menschenrechtsverletzungen, Folter, Inhaftierungen von Oppositionellen und nicht zuletzt Völkermord an den Rohingya vorgeworfen werden. Im Juni 2021 setzte die EU die MTE darum auf eine Sanktionsliste.

Holzwirtschaft gilt als korrupt und kriminell

Dabei sollte Teak aus Myanmar schon seit Jahren nicht mehr nach Europa gelangen. Der Grund: Die EU-Holzhandelsverordnung. Sie verlangt von Holzimporteuren Nachweise zur exakten Herkunft des Holzes und Belege, dass es legal abgeschlagen wurde. Nach Ansicht der für Holzhandel zuständigen Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) ist das für Myanmar spätestens seit 2018 unmöglich. Die Holzwirtschaft dort gilt als korrupt und kriminell.

Noch 2017 ließ sich BLE-Präsident Hanns-Christoph Eiden im Fachblatt "Holzimport" mit den Worten zitieren: "Dass wir streng prüfen, kann man uns, glaube ich, nicht vorwerfen." Erst ein Politskandal sorgte dafür, dass sich die BLE für konsequentere Kontrollen entschied. Im Sommer 2018 wurde bekannt: Auf der Gorch Fock, dem Segelschulschiff und Stolz der deutschen Marine, ist Teak aus Myanmar verbaut. Eine Prüfung des zuständigen Holzhändlers, Neumann, durch die BLE zeigte, dass die vorgeschriebenen Sorgfaltspflichten nicht eingehalten wurden. [...]

Zwischen 2019 und 2022 führte die BLE noch ganze zwei Kontrollen durch. Auch Verwarnungen wurden durch die BLE seit 2019 keine mehr ausgesprochen.

Dies geschah, obwohl weiterhin Holz aus Myanmar nach Deutschland gelangt. Vertrauliche Unterlagen die NDR, WDR, "Süddeutscher Zeitung" und "Spiegel" vorliegen zeigen: Zwischen 2018 und 2020 kamen Dutzende Teak-Lieferungen aus Myanmar in die EU. In den zugehörigen Lieferdaten tauchen auch die Namen von drei deutschen Händlern auf.

Verurteilung wegen illegaler Teak-Importe

Dazu zählt die Firma Koch Furniere. Sie taucht in Zusammenhang mit Lieferungen über einen griechischen Händler auf. Auf Fragen zu dieser Recherche antwortete sie nicht.

Im Fall der Firma Alfred Neumann GmbH, die bereits das Holz für die Gorch Fock geliefert hatte, soll das Teak über Italien geliefert worden sein. Neumann wies den Vorwurf unrechtmäßiger Importe von sich und erklärte, seit Sommer 2018 keinerlei Myanmar-Teak mehr zu importieren, sondern nur noch Teak aus anderen Ländern. 

Bei der Firma WOB mit Sitz in Hamburg lief die Ware anscheinend über einen kroatischen Zwischenhändler. Der WOB-Geschäftsführer wurde bereits in der Vergangenheit wegen illegaler Teak-Importe zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt, ist gegen das Urteil aber in Berufung gegangen. Auch er bestreitet jede Beteiligung an unrechtmäßigen Importen. [...]

Noch heute prüfen Staatsanwaltschaften, ob die Lieferungen legal waren oder nicht. Das Teak ist inzwischen wohl längst verkauft und verbaut. Gegen Verantwortliche der Firma WOB ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg wegen möglicher Verstöße gegen das Holzhandels-Sicherungs-Gesetz (HolzSiG). [...]

Experten und Umweltschutzorganisationen kritisieren die BLE seit Langem für einen ihrer Ansicht nach zu laxen Umgang mit der Problematik. "Man nimmt wissentlich in Kauf, dass die Wälder in Myanmar zerstört werden. Man nimmt auch in Kauf, dass die Militärs damit Geld verdienen. Menschenrechtsverletzungen sind damit verbunden. All das nimmt man in Kauf und ignoriert die eigenen Gesetze", beklagt Johannes Zahnen vom WWF. [...]