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Artikel

27 Jul 2022

Autor:
Niklas Franzen, taz

Reportage: In Brasilien entstehen Hunderte illegale, umweltschädliche Goldminen - Gefahr für indigene Ak­ti­vis­t*in­nen

Mateus Bonomi/AGIF (via AP)

"Goldrausch am Tapajós", 26. Juli 2022

Korap, Jahrgang 1985, gehört zum Volk der Munduruku. Sie kämpft gegen Bergbau, organisiert Proteste, reist als Aktivistin um die Welt. Deshalb wird sie von Goldgräbern bedroht. Itaituba, eine Stadt mit 100.000 Einwohner*innen, liegt mitten im Regenwald... In der Region gibt es Hunderte Garimpos, illegale Goldminen...

Als immer mehr Goldgräber in ihre Heimat einfielen, ergriff die kleine energische Frau immer öfter das Wort, erkämpfte sich ihren Platz. Heute kämpfen viele indigene Frauen an vorderster Stelle der Umweltbewegung mit.

Unterstützung bekommen sie vor allem aus dem Ausland. Aber auch in Brasilien beginnen sich immer mehr Menschen für die Munduruku zu interessieren...

Doch die Aufmerksamkeit hat auch Schattenseiten... Seit Langem erhält sie Morddrohungen, ein Kopfgeld sei auf sie ausgesetzt gewesen. Korap hat sich Feinde gemacht. Hinter den Drohungen und Attacken stehen einflussreiche Goldgräber, glaubt die Aktivistin...

Einmal griff Korap eine Bergbaufirma in einer Rede direkt an, das Video verbreitete sich schnell im Internet. Kurz danach wurde bei ihr eingebrochen, das Haus verwüstet. Dokumente, eine Speicherkarte und ein Handy fehlten, andere Wertgegenstände nicht. Die Täter konnten nicht ermittelt werden – wie so oft bei Angriffen auf Ak­ti­vist*in­nen...

Wie Korap geht es vielen Ak­ti­vis­t*in­nen in Amazonien. Wer für den Erhalt des Regenwaldes kämpft oder andere Missstände aufdeckt, lebt gefährlich. Im Juni 2022 wurden der britische Journalist Dom Phillips und der Indigenenexperte Bruno Perreira, die für eine Recherche im abgelegenen Javari-Tal unterwegs waren, ermordet, vermutlich von Männern, die illegalen Fischfang betreiben...

Mitte Juli lag der Preis für eine Feinunze Gold, 31,1 Gramm, bei mehr als 1.700 Euro. Die Gründe dafür sehen Ex­per­t*in­nen in einem schwachen Dollar und internationalen Konflikten. In Krisenzeiten setzen An­le­ge­r*in­nen vermehrt auf Gold, das als inflationssicher gilt. Die steigende Nachfrage auf dem Weltmarkt führt zu einem regelrechten Goldrausch in Brasilien...

Für den rechtsradikalen Klimawandelleugner [Jair Bolsonaro] ist der Amazonasregenwald vor allem eines: eine Ressource, die es auszubeuten gilt. Für die Durchsetzung von Wirtschaftsinteressen ist Bolsonaro jedes Mittel recht. Die Regierung entmachtete Umweltbehörden wie die Ibama oder die Indigenenbehörde Funai...

Die Konsequenz: Es gibt immer weniger Kontrollen, immer weniger Bußgelder. Holzfäller, Viehzüchter und Goldgräber verstehen das als Freifahrtschein für ihre illegalen Aktivitäten...

Die Goldsucher dringen in die entlegensten Ecken Amazoniens vor, oft auch in indigene Territorien und Naturschutzgebiete...

Von Itaituba werden die Barren nach São Paulo oder Rio de Janeiro transportiert und an Banken oder Juweliergeschäfte weiterverkauft.

Letztlich landet das Blutgold auch in exklusiven Läden in New York, Moskau, Paris und London, und von dort an den Fingern der Reichen und Schönen. Während sich die Weltgemeinschaft zunehmend für den Ursprung von brasilianischen Agrarprodukten interessiert und sogar Boykotte in Betracht gezogen werden, steht das schmutzige Gold in der Debatte über Brasiliens Umweltpolitik nur selten im Fokus...