Norwegen: Windpark gefährdet Rentierzucht & kulturelle Rechte von Sami-Gemeinschaft; auch Schweizer Investoren beteiligt

2016 begann der Bau des größten norwegischen Onshore-Windprojekts, Fosen Wind. Eine Windenergieanlage soll in Storheia, dem wichtigsten Winterweidegebiet der rentierzüchtenden Südsami-Gemeinschaft, den Betrieb aufnehmen. Im Dezember 2018 forderte der UN-Antirassismus-Ausschuss (CERD) einen Baustopp, um eine Beschwerde, dass das Projekt die traditionellen Rentierzuchtaktivitäten des Sami-Volkes störe, prüfen zu können. Das Projekt wird vom Konsortium Fosen Vind entwickelt, dessen Haupteigentümer der staatliche norwegische Energiekonzern Statkraft ist. Zudem sind Credit Suisse und der Energiekonzern BKW Energy über das Nordic Wind Power-Konsortium an dem Projekt beteiligt.

Das norwegische Energieministerium kam zu dem Schluss, dass es keine Grundlage gebe, die Bauarbeiten an dem Projekt einzustellen (mehr dazu auf Englisch hier). Im Rahmen der Kampagne "Turbines Need Sami Consent!" fordern die Südsami-Gemeinschaft und die Gesellschaft für Bedrohte Völker daher von Statkraft und Nordic Wind Power (inkl. der Konsortiumsmitglieder Credit Suisse und BKW Energy), das Projekt zu stoppen und ihre Investitionen zurückzuziehen. Zudem sollten alle beteiligten Akteure bei künftigen Investitionsprojekten sicherstellen, dass die Rechte indigener Bevölkerungsgruppen berücksichtigt werden, so die Gesellschaft für Bedrohte Völker.

Credit Suisse, BKW Energy und Statkraft äußerten sich in Presseberichten zu den Beschwerden. Mehr dazu finden Sie untenstehend.

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Artikel
31 December 2018

Norwegen: Bau einer Windenergieanlage auf Sami-Winterweiden in Storheia

Autor/in: Gesellschaft für Bedrohte Völker

2016 begann der Bau des grössten norwegischen Onshore-Windprojekts, Fosen Wind... Der Grösste der sechs Windenergieanlagen soll in Åfjord, im Gebiet «Storheia» (übersetzt: Grosse Heide) den Betrieb aufnehmen. Storheia ist das wichtigste Winterweidegebiet einer rentierzüchtenden Südsami-Gemeinschaft, der Åerjel Njaarke Sijte. Durch die Windenergieanlage wird für sie die Nutzung von etwa 44 Prozent ihrer Winterweiden verunmöglicht...

Aus diesen Gründen stellt der Bau der Windenergieanlagen in Storheia für die Südsami eine Bedrohung der Rentierzucht und damit ihrer Kultur dar. Aus Sicht der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) würde das Projekt eindeutig gegen völkerrechtliche Abkommen und menschenrechtliche Konventionen verstossen...

Im Rahmen der Kampagne «Turbines Need Sami Consent!» fordern die Südsami und die GfbV von Statkraft und Nordic Wind Power DA (darunter CS und BKW), das Projekt zu stoppen und ihre Investitionen zurückzuziehen. Zudem sollen alle beteiligten Akteure sich bei sämtlichen künftigen Investitionsprojekten dem «Free, Prior and Informed Consent» der UNO (FPIC) verpflichten und sicherstellen, dass die Rechte der Indigenen berücksichtigt und ihre Mitsprache und Entscheidungsgewalt sichergestellt werden. Dies gilt auch für Projekte für erneuerbaren Energien.

Lesen Sie hier den vollständigen Post

Artikel
11 December 2018

Schweizer Investment verdrängt Indigene

Autor/in: SRF

Die Samen haben aber auch international Beschwerde eingereicht beim UNO-Ausschuss für Rassendiskriminierung (CERD) in Genf...

Ein Teil der Windpark-Investoren kommt aus der Schweiz: Die Grossbank Credit Suisse und der Energiekonzern BKW beteiligten sich vor zwei Jahren finanziell am Projekt in Norwegen...

Die beiden Schweizer Firmen sind Teil des Konsortiums Nordic Wind Power DA, dem 40 Prozent des Windparks gehört. Haupteigentümer ist der staatliche norwegische Energiekonzern Statkraft. Sie alle bestreiten, die Rechte der indigenen Samen zu verletzen. Trotz eines hängigen Verfahrens haben die Konzerne aber eine vorzeitige Baubewilligung erwirkt und mit den Arbeiten auf dem umstrittenen Gelände begonnen...

Der Statkraft-Konzern sagt, er habe sämtliche Prozesse zur korrekten Durchführung eines solchen Windpark-Projekts eingehalten. Weder Menschen- noch Völkerrecht werde verletzt. Die betroffene indigene Rentiergemeinschaft habe man während der Lizenzierung des Windparks konsultiert und ihre Anliegen in diesem Verfahren besonders hoch gewichtet.

Die Lizenzierungsbehörde sei zum Schluss gekommen, dass die Rentiergemeinschaft durch den Windpark in der Ausübung ihrer Tätigkeit nicht bedroht sei. «Statkraft» anerkennt zwar, dass der Windpark negative Auswirkungen für die Rentierhalter habe. Diese würden aber vollumfänglich entschädigt, und man sei überzeugt, dass eine Co-Existenz von Windanlage und Rentieren auf «Storheia» möglich sei...

BKW und Credit Suisse nehmen dazu kurz und knapp Stellung: «Das Konsortium hat den Brief des UNO-Hochkommissariats für Menschenrechte an den norwegischen Staat zur Kenntnis genommen und wird diesbezüglich den Kontakt mit den Behörden suchen.»

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