Sambia: Kritik an Schweizer Außenminister für Besuch von Glencore-Mine

Autor/in: Isabel Pfaff, Süddeutsche Zeitung, Veröffentlicht am: 15 January 2019

'Eklat an der Glencore-Mine', 9 Jan 2019

Für den Schweizer Außenminister Ignazio Cassis ist es die erste Afrika-Reise seiner Amtszeit. Und sie wird gleich von einem Eklat begleitet: In Sambia [...] besuchte Cassis am Montag eine Kupfermine. Die Mopani Copper Mines gehören mehrheitlich dem Schweizer Rohstoffriesen Glencore - und der Außenminister fand auf Twitter nur Worte des Lobes für das umstrittene Unternehmen. [...]

Glencore ist der größte Rohstoffhändler der Welt, doch zuletzt landete das Unternehmen mit Sitz im Kanton Zug immer wieder in den Schlagzeilen. [...]

Auch Glencores Mopani-Mine in Sambia hat eine unrühmliche Geschichte: Die beim Kupferabbau verwendete Schwefelsäure vergiftete dort lange Luft und Boden. Erst 2014, 14 Jahre nach Erwerb der Mine, modernisierte Glencore die Anlagen, die nach eigenen Angaben nun 95 Prozent der Schwefelemissionen aufnehmen. [...]

"Was Cassis da getan hat, ist vor dem Hintergrund der Verfahren, die gerade weltweit gegen Glencore laufen, ziemlich problematisch", sagt Oliver Classen von der NGO Public Eye. Die in Zürich ansässige Organisation kritisiert Glencore und andere Schweizer Rohstoffkonzerne seit Jahren und wirft ihnen Menschenrechtsverletzungen und Korruptionsvergehen vor. [...]

Der Minenbesuch des Außenministers ist auch innenpolitisch heikel. Denn gerade erarbeitet das schweizerische Parlament einen neuen Passus in der Verfassung, der sich mit der Verantwortung von Konzernen im Ausland beschäftigt. Hintergrund ist eine Volksinitiative aus dem Jahr 2016, die verbindliche Regeln für Schweizer Unternehmen fordert, was die Einhaltung von Menschenrechts- und Umweltstandards angeht. Das Parlament versucht derzeit, diese Forderung in einen mehrheitsfähigen Verfassungstext zu gießen, doch das Thema ist hoch umstritten. [...] Die Abstimmung im Parlament wird für Sommer oder Herbst erwartet. [...]

[Ein Bericht zu weltweiten Menschenrechtsverletzungen durch Unternehmen aus der Rohstoffindustrie sowie die Unternehmensantwort von Glencore zum Fall der Mopani-Mine in Sambia finden Sie in englischer Sprache hier.]

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Betreffende Unternehmen: Glencore