Südafrika: Menschenrechtliche Verantwortung dt. Unternehmen in der Platinlieferkette

The following report deals with the human rights and environmental problems of platinum mining in South Africa. It also describes the supply chain responsibilities of German companies such as BASF, Daimler, BMW and VW, who import the metal. We invited the companies to respond to the study. Their responses are available below.

Die Studie „Edles Metall – Unwürdiger Abbau: Platin aus Südafrika und die Verantwortung deutscher Unternehmen“ thematisiert die menschenrechtlichen und ökologischen Probleme des Platinabbaus in Südafrika. Dazu gehören lebensgefährliche Arbeitsbedingungen, Konflikte zwischen den Anwohner/innen, von denen viele immer noch in Slums leben, und den Minenbetreibern sowie der Wasserverbrauch im Bergbau. Zudem sind durch die Ausdehnung der Abbaugebiete tausende Menschen ohne angemessene Entschädigung von ihrem Land vertrieben worden. Die Studie beschreibt auch die menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten deutscher Unternehmen entlang der Lieferkette, wie es der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte vorsieht. Unternehmen wie BASF, Daimler, BMW und VW importieren das Edelmetall, das auch zur Herstellung von Abgaskatalysatoren verwendet wird. 

Positiv hervorgehoben wird die steigende Tendenz unter den Konzernen, die gesamte Lieferkette in den Blick zu nehmen und sich mit Problemen beim Rohstoffabbau zu beschäftigen. Dennoch wird kritisiert, dass die Automobilkonzerne in Bezug auf den Platinabbau bislang keinen Beitrag zur Verbesserung der Situation in Südafrika leisten konnten. So kommt die Studie zu dem Schluss, dass freiwillige Regelungen nicht ausreichen, um Menschenrechte, Arbeits- und Sozialstandards einzuhalten. Wir haben BASF, Daimler, BMW und VW eingeladen, zu der Studie Stellung zu nehmen. Die Antworten der Unternehmen finden Sie untenstehend.

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28 May 2018

Antwort von BASF

Author: BASF

Wir begrüßen die Studie von Brot für die Welt als Beitrag für einen kritisch-konstruktiven Dialog. Auch wenn wir die Sachverhalte in einzelnen Punkten anders einschätzen, halten wir diesen Dialog zwischen Zivilgesellschaft und Unternehmen für unverzichtbar...

In unserer Beziehung zu Lonmin bestehen wir auf unseren Anforderungen, die gesetzlich vorgeschrieben Standards einzuhalten, den Sozial- und Arbeitsplan umzusetzen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Deshalb haben wir wiederholt auditiert und dabei den Umfang des Audits erweitert, sind mit Besuchen vor Ort, um die Fortschritte zu kontrollieren, und führen systematisch Gespräche mit unterschiedlichen Interessensvertretern. Unsere Zulieferer wissen, dass wir uns vorbehalten, Lieferbeziehungen zu beenden, wenn es zu keinen Verbesserungen kommt – dies haben wir in einem anderen Fall mit einem Lieferanten 2017 beispielsweise getan. 

[N]ach Konsultation mit Brot für die Welt in Südafrika [haben wir] Gespräche mit NGOs und auch mit Gewerkschaften geführt. Wir berichten transparent über den Prozess und haben seine Ergebnisse frei zugänglich auf unserer Website https://www.basf.com/de/company/about-us/suppliers-and-partners/sustainability-in-procurement/ensuring-sustainability-in-the-supply-chain.html publiziert. Audits in Ergänzung mit anderen Instrumenten halten wir nach wie vor für zielführend. Konsultationen mit der Zivilgesellschaft sind im Regelfall kein Gegenstand eines Audits.

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28 May 2018

Antwort von Daimler

Author: Daimler

Daimler nimmt die im Bericht angesprochenen Themen ernst und möchte dazu beitragen, dass notwendige Schritte zur Verbesserung der Lage der Menschen vor Ort unternommen werden. 

Seit Bekanntwerden der Vorfälle im Marikana Bergwerk gab es mehrfachen Informationsaustausch zwischen Daimler und BASF zu den Hintergründen der Vorfälle...

Um generell größere Transparenz über mögliche menschenrechtliche Risiken in Rohstofflieferketten zu erlangen, setzt Daimler derzeit eine konkrete Systematik um [...] – das Daimler Human Rights Respect System...

[W]ir [haben] rund 50 Rohstoffe und Materialien identifiziert, die potentiell risikobehaftet in Bezug auf die Einhaltung von Menschenrechten sein könnten... Für die identifizierten Rohstoffe entwickeln wir momentan zusätzliche Due Diligence Maßnahmen. So erproben wir derzeit z.B. einen eigens für diese Themen konzipierten Fragebogen...

Lieferkettenverantwortung [...] wird durch die Mercedes-Benz Special Terms (MBST) mit direkten Lieferanten abgesichert... Mit der Unterzeichnung der MBST verpflichten sich unsere Lieferanten auch zur Einhaltung der Daimler Supplier Sustainability Standards...

Die Forderung des Berichts, die gemeinsame Brancheninitiativen wie „Drive Sustainability“ stärker dafür zu nutzen, den Einfluss entlang der Lieferkette zu erhöhen, unterstützen wir ausdrücklich. Um Nachhaltigkeit in der weltweiten Lieferkette voranzutreiben, engagieren wir uns seit Jahren in nationalen wie internationalen Branchen- und Industrieverbänden...

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Author: Volkswagen

Wir sind uns der Schwierigkeiten bei der Erzeugung bestimmter Rohstoffe bewusst und ergreifen daher umfassende Maßnahmen, um eine sozial- und umweltverträgliche Gewinnung von Rohstoffen sicherzustellen... [W]ir [haben] entsprechende Nachhaltigkeitsanforderungen vertraglich in die Geschäftsbeziehungen mit unseren weltweit 40.000 direkten Lieferanten integriert. Künftig werden wir darüber hinaus alle unsere Lieferanten schon vor Vergabe zu Nachhaltigkeit bewerten... Das heißt auch, wir werden, wenn nötig, risikobasiert vor Ort prüfen, ob Lieferanten unsere Anforderungen an Nachhaltigkeit erfüllen...

Bei identifizierten Risiken gehen wir jedem Verdachtsfall konsequent nach. Hierzu hat Volkswagen unter anderem in 2017 seine Leitlinie zu einem nachhaltigen Rohstoffbezug aktualisiert und beschreibt hier unter anderem seine Erwartungen an seine Lieferanten bei möglichen Verdachtsfällen für Menschenrechtsverstöße. 

Weiterhin arbeiten wir kontinuierlich an der Implementierung der fünf Schritte der OECD Due Diligence Guidance for Responsible Supply Chains of Minerals from Conflict-Affected and High-Risk Areas und sind zurzeit dabei, unsere strategischen Maßnahmen um unsere Aktivitäten in der Lieferkette auszuweiten...

Unabhängig von den Aktivitäten im Bereich des Rohstoffsektors verfolgt Volkswagen die Strategie, einen möglichst großen Anteil der Platingruppenmetalle für den eigenen Bedarf aus Recyclingmaterial zu gewinnen...

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28 May 2018

Response by Volkswagen

Author: Volkswagen

We are aware of the difficulties in obtaining certain commodities and take comprehensive measures to extract commodities in a socially and environmentally compatible way... [W]e have integrated corresponding sustainability requirements into contracts with our business partners, some 40,000 direct suppliers worldwide. In future, we will also subject all of our suppliers to a sustainability assessment before they are commissioned; there will be a sustainability rating. This also means that we will perform risk-based on-site checks where necessary to make sure our suppliers fulfil our sustainability requirements...

We systematically investigate any suspicious circumstances in which risks have been identified. In this regard, Volkswagen also revised its guideline on sustainable commodity purchasing in 2017 in which it describes its expectations of suppliers in potential cases of suspected human rights violations. 

We are continuing our work on the implementation of the five steps of the OECD Due Diligence Guidance for Responsible Supply Chains of Minerals from Conflict-Affected and High-Risk Areas, and are currently extending our strategic measures for our activities in the supply chain...

Regardless of the activities in the commodity sector, Volkswagen’s strategy is to gain platinum group metals from recycling material, as far as this is possible, for its own use...

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23 May 2018

Antwort von BMW

Author: BMW

Die BMW Group hat bereits seit mehreren Jahren Projekte umgesetzt, die eine erhöhte Transparenz – insbesondere bei risikobehafteten Rohstoffen – sicherstellen sollen... Diese Projekte dienen unter anderem dazu, die Einhaltung von Menschenrechten in der Lieferkette zu gewährleisten...

Die Veröffentlichung gesamter Lieferketten ist in vielen Fällen aus unterschiedlichen Aspekten wie z.B. Wettbewerbsgesichtspunkten nicht möglich. Die Veröffentlichung einzelner Lieferanten entlang von transparenten Lieferketten wie z.B. Kobaltminen wird zukünftig für relevante Lieferketten erfolgen...

Die BMW Group nutzt bereits seit längerem im Rahmen der Ausschreibung und Vergabe von Leistungen seinen Einfluss entlang der Lieferkette, um Menschenrechtsverletzungen wirksam entgegenzuwirken. Menschenrechtliche Sorgfaltsverfahren werden hierbei überprüft und gegebenenfalls eingefordert. Sie sind auch Bestandteil der verpflichtenden Nachhaltigkeitsvereinbarungen mit Lieferanten. (Die Dokumente werden im Internetauftritt veröffentlicht). Eine Konsultation von Betroffenen hat z.B. für die Naturfasern (Kenaf) und bei Kobalt stattgefunden...

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Report
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Author: Brot für die Welt

Der Platinabbau ist nicht nur schädlich für die Umwelt, sondern auch für die Menschen, die in den Minen-Regionen leben und arbeiten... Die betroffenen Gemeinden werden nicht angemessen beteiligt...

Katastrophal sind auch die Arbeitsbedingungen in den Minen selbst... Das Gehalt [...] reicht in der Regel weder um die eigene Existenz noch um die ihrer Familien zu sichern...

[D]ie Bundesregierung [setzt] darauf, dass deutsche Unternehmen von sich aus die erforderlichen Maßnahmen treffen, um Menschenrechtsverlet- zungen in ihren Wertschöpfungsketten zu verhindern... [I]nwiefern [kommen] die deutschen Unternehmen in der Platinlieferkette, BASF und die Automobilkonzerne, den Erwartungen der Bundesregierung nach...

BASF ist in den letzten Jahren durchaus aktiv geworden und mehrmals nach Südafrika gereist. Die mangelnde Transparenz erschwert jedoch die Beurteilung der getroffenen Maßnahmen. Nicht nur sind die Ergebnisse der beauftragten Audits nicht veröffentlicht, die Erkenntnisse und die geplanten Maßnahmen wurden weder mit den lokalen Stakeholdern in Südafrika, noch mit den interessierten Organisationen in Deutschland besprochen...

In Bezug auf den Platinabbau konnten die Automobilkonzerne bislang folglich keinen Beitrag zur Verbesserung der Situation in Südafrika leisten. Erkennbar ist aber gleichwohl eine steigende Tendenz der Automobilkonzerne, die gesamte Lieferkette in den Blick zu nehmen.

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