Primark und C&A wegen schlechter Bedingungen in Zulieferfabriken in Sri Lanka kritisiert

Die Arbeiter*innenorganisation Shramabhiani Kendraya hat im Auftrag der Christlichen Initiative Romero (CIR) zehn sri-lankische Zulieferfabriken von Primark und C&A untersucht. Das Fazit der Studie: Es kommt hier immer wieder zu Verstößen gegen die Arbeitsrechte. Verantwortlich dafür ist laut der Studie u.a. das Geschäftsmodell der schnellen Mode ("fast fashion"), weil es den Preis- und Zeitdruck in der Lieferkette weitergibt – auf Kosten der Arbeiter*innen, die oft unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten müssen.

Die CIR hat C&A und Primark vorab über die Rechercheergebnisse informiert und um Stellungnahme gebeten, diese finden Sie im Bericht. Zudem haben sich beide Unternehmen in Presseberichten geäußert. Mehr dazu untenstehend.

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Author: Christliche Initiative Romero

"50 Jahre Primark – kein Grund zu feiern", 11. Juni 2019

Bis zu 80 Stunden pro Woche arbeiteten die befragten Textilarbeiter*innen regelmäßig in den sri-lankischen Fabriken. Maximal 45 reguläre und 12 Überstunden sind für Frauen in Ausnahmefällen erlaubt. Manche erhalten nicht einmal den Mindestlohn von umgerechnet 79 Euro. Für ein würdiges Leben reicht das nicht im Geringsten – laut der Asia Floor Wage Alliance müsste ein existenzsichernder Lohn in Sri Lanka mindestens 296 Euro betragen...

Die Verantwortung dafür liegt beid den Fast-Fashion-Marken. Wie eine Untersuchung der Einkaufspraktiken von Fast-Fashion-Marken [...] zeigt, schauen Primark & Co. bei der Auswahl der Fabriken nur auf Preis, Zeit und vielleicht noch Qualität... Dadurch entsteht eine kurzfristige und unstetige Auftragslage in den Fabriken und hoher Zeit- und Preisdruck. Dieser wird an die Arbeiter*innen weitergegeben, die dann Überstunden machen und zu einem Hungerlohn arbeiten müssen...

Die Zahlen zeigen, dass sich die Modeindustrie grundlegend ändern muss, um diese humanitären und Umweltschäden in Zukunft zu vermeiden... Und auch die Politik kann mit einem Sorgfaltspflichtengesetz dazu beitragen, Arbeitsrechtsverletzungen in Zukunft zu verhindern.“ Von Primark, C&A und allen weiteren Auftraggebern der untersuchten Fabriken in Sri Lanka fordert die CIR konkret, dafür zu sorgen, dass die Verstöße gegen Arbeitsrecht und Versammlungsfreiheit sofort eingestellt und existenzsichernde Löhne gezahlt werden.

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Author: Nils Klawitter, Spiegel Online

"Wie Arbeiter in Sri Lanka für Primark schuften müssen", 11. Juni 2019

Regal Calibre ist eine von zehn Fabriken, die die Christliche Initiative Romero aus Münster (CIR) gerade zusammen mit einer Partnerorganisation in Sri Lanka untersucht hat... 76 Arbeiter und Arbeiterinnen wurden für die Studie befragt, die Ergebnisse sind ernüchternd.

46 Prozent der Befragten verdienen in der regulären Arbeitszeit nicht mal den Mindestlohn. Gut ein Drittel stempelt aus Angst vor Entlassung nach den maximal 45 Wochenstunden aus und arbeitet dann ohne Überstundenzuschlag weiter. Jede zweite der befragten Arbeiterinnen macht mehr Überstunden als die für Frauen erlaubten zwölf Stunden pro Woche...

Das Geschäftsmodell der schnellen Mode ("fast fashion), bei dem teilweise im Wochenrhythmus neue Kollektionen in die Läden geschafft werden, wurde ganz wesentlich von Primark geprägt...

Ein C&A-Sprecher [teilte mit], die erwähnten Missstände in den Fabriken Sri Lankas seien Verstöße gegen den Verhaltenscodex für Lieferanten und würden nicht toleriert...

Für Primark räumt der Sprecher "eine kleine Anzahl von Problemen an drei Standorten" ein. Bei Prüfungen konkret aufgefallen sei allerdings nur "ein Arbeiter, der Überstunden machte". Ansonsten zahlten "alle Fabriken Löhne im Einklang mit dem nationalen Mindestlohn". Aber wie sollen Arbeiter wie Tharuka mit dem kargen Lohn eine Existenz aufbauen, wenn etwa die Hälfte allein für die Unterkunft draufgeht? Diese Frage, so der Sprecher, sei "von entscheidender Bedeutung", weshalb man ja Mitglied in einer Initiative für faire Löhne sei.

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