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Opinion

5 May 2016

Autor(a):
Sonia Hierzig, ShareAction

Verantwortungsvolles Investment: der Zusammenhang zwischen Menschenrechten und Investmententscheidungen

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Es ist wichtig, dass Investoren diese Risiken in ihre Investmententscheidungen mit einbeziehen, vor allem große institutionelle Investoren, so wie Pensionsfonds und Versicherungsfirmen. Das Investmentsystem besitzt das Potenzial eine positive, treibende Kraft zu sein, jedoch nur wenn Vermögensinhaber und –verwalter verantwortungsvolle Investmententscheidungen treffen. Verantwortungsvolles Investieren ist ein Ansatz nach dem ökologische, soziale und Fragen der Betriebsführung in Betracht gezogen werden (environmental, social and governance factors – ESG), da diese häufig einen materiellen Einfluss auf Renditen haben können, vor allem längerfristig. Dies beinhaltet auch Risiken im Zusammenhang mit einigen der gravierendsten Menschenrechtsverletzungen.

Hier ist es wesentlich, dass es nicht nur darum geht, von einem moralischen Standpunkt aus das Richtige zu tun. Verantwortungsvolles Investieren ist auch im finanziellen Interesse von Investoren. ESG-Faktoren in Betracht zu ziehen erlaubt es Investoren, eine neue Reihe von finanziellen Risiken und Opportunitäten zu identifizieren. Investoren, die ESG-Kriterien in Betracht ziehen, haben ein besseres Verständnis der Geschäftstätigkeiten eines Unternehmens, da ihre ‚Due Diligence‘ Prüfung eine größere Anzahl an Informationen berücksichtigt. Diese Risiken können oft finanzielle Auswirkungen haben, einschließlich möglicher Effekte auf den Ruf und die Marke eines Unternehmens, die als Folge Auswirkungen auf den Umsatz, und strafrechtliche Sanktionen auf Unternehmen und deren Zulieferer haben können.

Gleichermaßen trägt die Integration von ESG-Faktoren in den Investmentprozess nicht nur dazu bei, Risiken zu minimieren, sondern bietet auch viele Marktchancen. Sie wird zunehmend als Quelle von langfristigen und nachhaltigen Renditen dokumentiert. Eine Meta-Studie von Deutsche Asset and Wealth Management, welche mehr als 2000 akademische Studien, die seit 1970 publiziert wurden, analysiert hat, stellte fest, dass in 62,2% der untersuchten Studien eine positive Korrelation zwischen ESG-Faktoren und finanzieller Performanz besteht[1].

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, wie Investoren verantwortungsvolles Investieren ausüben können und sie entwickeln sich stets weiter. Eine der bekanntesten Ansätze ist Divestment: ein Investor benutzt eine Ausschlussliste, basierend auf welcher in bestimmte Unternehmen oder Sektoren nicht investiert wird.

Aber es gibt auch andere Vorgehensweisen, mit positiven Anreizen. Anstatt Anteile an einem Unternehmen zu verkaufen, können Investoren sich den Fakt, dass sie als Aktionäre an einem Unternehmen beteiligt sind, zu Nutzen machen. Praktisch umgesetzt heißt das, dass sie ihr Stimmrecht ausüben, indem sie über die Tagesordnungspunkte der Hauptversammlungen von Unternehmen abstimmen bzw. Gegenanträge stellen (je nach nationalem System), und dabei ESG-Faktoren in Betracht ziehen. Darüber hinaus können sich Investoren auch proaktiv im Dialog mit Unternehmen engagieren, z.B. zu Menschenrechten oder anderen ESG-Themen.

All dies mag ziemlich abstrakt klingen, lässt sich jedoch anhand einer Fallstudie illustrieren. Zwangsarbeit und Menschenhandel sind hier ein geeignetes Beispiel: Investoren in Großbritannien sind auf dieses Thema dank aktueller politischer Entwicklungen besonders aufmerksam geworden. Obwohl Zwangsarbeit und Menschenhandel zu den gravierendsten  Menschenrechtsverletzungen zählen, geschehen sie heute noch. Laut der International Labour Organisationsind fast 21 Millionen Menschen weltweit immer noch Opfer von Zwangsarbeit; wobei 19 Millionen Opfer von Einzelpersonen oder Unternehmen ausgenutzt werden und zwei Millionen durch Staaten oder Rebellengruppen.

Ein neues Gesetz, das letztes Jahr in Großbritannien eingeführt wurde, bietet Investoren neue Wege, um mit Unternehmen in Dialog zu treten und sie zur Rechenschaft zu ziehen. Der Paragraph zur Transparenz in der Lieferkette im Modern Slavery Act verlangt, dass Unternehmen und Gesellschaften mit einem Umsatz von über 35 Millionen Pfund, die Geschäftstätigkeiten in Großbritannien betreiben, jedes finanzielle Jahr eine Stellungnahme veröffentlichen, welche die Maßnahmen, die das Unternehmen getroffen hat um sicherzustellen, dass Sklaverei und Menschenhandel in ihrer Lieferkette ausgeschlossen sind, aufzeigt.

Zu Beginn wird dies den Investoren, die sich bewusst sind welche Auswirkungen moderne Sklaverei auf Unternehmen haben kann, ermöglichen, den Unternehmen zu signalisieren, dass dies ein für Investoren relevantes Thema ist und dass die Veröffentlichungen unter dem Act genauestens überprüft werden. Investoren können Unternehmen dazu anregen proaktiver zu sein und zu helfen, diese Verbrechen zu unterbinden, sowie den Unternehmen klar zu machen, dass ein Versagen in dem Bereich nicht nur Auswirkungen auf den Ruf haben kann, sondern ebenso die operationelle Effizienz, und somit die finanzielle Performance beeinflusst. Die veröffentlichten Stellungnahmen sollten Investoren ein besseres Verständnis über das Ausmaß des Risikos der Zwangsarbeit und Menschenhandel in ihren Wertschöpfungsketten geben. Dies ermöglicht weitere Entscheidungen darüber, wie man mit den Unternehmen in Dialog treten möchte.

Dieses Beispiel zeigt auch, wie wichtig es ist, dass Informationen über die Performance von Unternehmen in Bezug auf ESG-Faktoren für Investoren verfügbar sind und dass dies weiter gefördert werden muss; durch Rechtsvorschriften wie den Modern Slavery Act, aber auch durch NGOs, wie dem Business & Human Rights Resource Centre und andere, die gerade an der ersten Benchmark der größten börsennotierten Unternehmen weltweit nach ihrer Menschenrechtsperformance arbeiten. Die Informationen, die dadurch gewonnen werden, werden von unschätzbarem Wert für Investoren sein, die herausfinden wollen, wie ein bestimmtes Unternehmen mit ESG Themen umgeht.

Investoren leisten häufig Pionierarbeit, wenn sie sicherstellen, dass Unternehmen zu diesen oftmals versteckten Thematiken Maßnahmen ergreifen und den Kampf gegen die moderne Sklaverei, sowohl als andere Menschenrechtsverletzungen die Unternehmen begehen, unterstützen. Als Aktionäre der größten Unternehmen der Welt haben Investoren die Möglichkeit, das Verhalten von Unternehmen zu verändern und  Menschenrechtsverletzungen, die in unserer heutigen Zeit keinen Platz mehr haben sollten, zu beenden.



[1] Friede G., Lewis M., Bassen A. and Busch T. (2015) ESG & Corporate Financial Performance: Mapping the global landscape, Deutsche Asset & Wealth Management and the University of Hamburg.

European Responsible Investment Network