RWE Gerichtsverfahren (bez. Klimawandel)

Palcacocha_lake_via_wikimedia_commons

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In März 2015 reichte der peruanische Bauer Saúl Luciano Lliuya eine Klage in einem deutschen Gericht gegen RWE ein, ein deutsches Energieunternehmen, wegen der Auswirkungen der Geschäftstätigkeiten auf den Klimawandel. Der Kläger behauptet, dass sein Haus in Huaraz, im Bereich einer potenziellen Flutwelle aus dem Palcacocha See, wegen des Abschmelzens der beiden in den See mündenden Gletscher, durch die erhebliche Überschwemmungen als Folge der globalen Erwärmung "akut bedroht" würde. Er behauptet, dass RWE einer der Hauptemittenten von Treibhausgasen weltweit ist, die den Rückzug der Gletscher verursacht haben und somit verantwortlich für die Erhöhung der Gefahr von Überschwemmungen in der Gegend sind. Der Kläger fordert  von RWE, für ihren Beitrag zur globalen Erwärmung £14.250 (laut The Guardian, in etwa 19.300Euro) zu zahlen. Der Betrag würde in der Einrichtung eines Frühwarnsystems im Bezug auf eine Gletscherflut aus dem Palcacocha See investiert werden und den Bau neuer Staudämme oder die Verbesserung bestehender finanziell unterstützen, und darauf abzilene, die Gefahr von Überschwemmungen in der Region zu verhindern. Im Mai erteilt RWE seine offizielle Antwort auf die Forderungen des Klägers und verkündet dass die Ansprüche des Klägers über keine Rechtsgrundlage verfügen, und das Unternehmen somit nicht verantwortlich ist. 

Im November 2015 hat Lliuya eine Klage gegen RWE vor einem deutschen Gericht eingereicht. Am 24. November 2016 begannen die Anhörungen vor einem Landgericht in Deutschland. Am 15. Dezember 2016 wurde die Klage abgewiesen, da der Richter feststellte, dass der Kläger nicht nachgewiesen hatte, dass RWE rechtlich dafür verantwortlich war, Huaraz vor Überschwemmungen zu schützen. Im Januar 2017 legte der Kläger Berufung ein.

Nach einer ersten Anhörung am 13. November 2017, als das Oberlandesgericht feststellte, dass die Beschwerde begründet war, und beiden Parteien eine neue Frist zur Anführung weiterer Argumente eingeräumt wurde, bestätigte das Gericht am 30. November 2017, dass es die Rechtssache weiterverfolgen werde. Das Gericht sagte, es werde Experten in Zusammenarbeit mit beiden Parteien konsultieren, um über den Beitrag des Beklagten zu den Hochwasserrisiken zu urteilen. RWE wies die Klage des Landwirts erneut als unbegründet zurück und behauptet, dass ein einziges Unternehmen nicht für die Folgen des Klimawandels verantwortlich gemacht werden könne.

Der Fall läuft weiterhin.

- [EN] "German court to hear Peruvian farmer's climate case against RWE", AFP and Guardian, 30 Nov 2017
- [EN] "Peruvian climate lawsuit against German coal giant dismissed", Climate Home, 15 Dec 2016
- [EN] "Peruvian farmer sues German energy firm RWE", Deutsche Welle, 24 Nov 2016
- [EN] "Claim blaming utility for devastating glacier melt in Peru may set landmark legal precedent", Lisa Friedman, E & E Publising, LLC; 6 Apr 2015
- [EN] "Peruvian farmer demands climate compensation from German company", Dan Collyns, Guardian (UK), 16 Mar 2015
- [DE] RWE unter Druck, Svenja Beller, Greenpeace Magazin, 16 Mar 2015
- [DE] Peruanischer Bauer droht mit Klage gegen RWE, Handelsblatt, 16 Mar 2015

RWE:
- Company response, 23 Mar 2015

Germanwatch:
- Der Fall Huaraz, Noah Walker-Crawford, Juni 2015

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24 April 2019

Peru: Weitere Verzögerungen im Verfahren gegen RWE wegen drohender Flutkatastrophe in den Anden

Autor/in: Germanwatch

[...] Es hatte schon nach der Entscheidung des Gerichts zur Aufnahme der Beweisführung lange gedauert, bis die offiziellen Gutachter bestimmt werden konnten. Dies lag u. a. an Einwürfen der RWE-Anwälte, die vom Gericht zurückgewiesen wurden.

Nun wird noch einmal viel Zeit benötigt, bis ein vor kurzem vom Gericht angesetzter Ortstermin in Peru/Huaraz umgesetzt werden kann. Es gibt leider kein zwischenstaatliches Rechtshilfeabkommen zwischen Deutschland und Peru. Daher hat das OLG Hamm ein Ersuchen an den Staat Peru gestellt, die streitgegenständlichen Örtlichkeiten in Augenschein nehmen zu dürfen. Dieses wird voraussichtlich eine Bearbeitungszeit von circa einem Jahr in Anspruch nehmen.

Gleichzeitig wird die Gefährdung offensichtlich: Am 5. Februar ist eine Eislawine in den Gletschersee abgegangen und es wurden 4,5 Meter hohe Wellen ausgelöst, die der 7 Meter hohe Damm glücklicherweise halten konnte.

Allerdings zeigt das Ereignis, dass der Damm unzureichend ist. "Es fehlte nicht viel und er wäre überspült worden. Eine größere Lawine könnte dies leicht herbeiführen", beschreibt Noah Walker-Crawford, Consultant von Germanwatch, die Lage vor Ort. [...]

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Autor/in: New York Times

“Climate Change Could Destroy His Home in Peru. So He Sued an Energy Company in Germany.”, 9th April 2019

…One day, five years ago, Luciano Lliuya sat talking with a friend about the many changes and costs that climate change is bringing to the Andes, whose residents have, by global standards, done very little to contribute to the problem. “We wondered,” he said, “whether we could find los responsables” — the responsible ones — and somehow persuade them to change their behavior. He wanted, fervently, to find a way to stop the ice from melting even more. Luciano Lliuya’s friend introduced him to a contact at a nongovernment organization called Germanwatch, based in Bonn, that works to promote equity between developed and less-developed countries. In 2015, with the group’s support, Luciano Lliuya, who had never left his country, traveled 6,500 miles to file a lawsuit against RWE, Germany’s largest energy utility. The lawsuit claimed that the company, though it does not operate in Peru, had contributed about half of 1 percent of the emissions that are causing the global climate to change and that it should therefore be responsible for half of 1 percent of the cost of containing the lake that might destroy Luciano Lliuya’s house. His claim entered the courts in the form of a demand for $19,000…

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Autor/in: Dr. Roda Verheyen, counsel in Lliuya v. RWE AG, Roxana Baldrich, Policy Advisor and Christoph Bals, Policy Director, Germanwatch, April 2018

Marion Cadier speaks with Dr. Roda Verheyen (legal counsel in Lliuya v. RWE AG), Roxana Baldrich (Policy Advisor at Germanwatch) and Christoph Bals (Policy Director at Germanwatch) about the lawsuit brought by Saul Luciano Lliuya against RWE in relation to its contribution to climate change (the Huaraz case).

In November 2015, Saúl Luciano Lliuya, a Peruvian farmer living in Huaraz in Peru, filed a lawsuit in Germany against RWE, Germany’s largest electricity producer.  Mr Lliuya claims that his house in the village of Huaraz is at imminent risk of being damaged or destroyed due to an outburst flood from a glacial lake, caused by the melting of glaciers linked to climate change.  Lliuya argues that RWE has contributed nearly 0,5 percent of global manmade emissions since industrial revolution.  And he asked the court to order RWE to reimburse him for the same portion of the costs of establishing flood protection.  A first instance court dismissed the claim in December 2016.  However, the appeal court determined that the demand for damages was admissible, allowing the case to proceed.

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Autor/in: Ciara Nugent, Time

Saúl Luciano Lliuya...filed a lawsuit against energy company RWE...Lliuya claims that...RWE...should pay for 0.5% of the cost of flood defenses for Huaraz...The suit was initially dismissed in Essen.  But in November, a higher court in Germany ruled he was on sound legal ground and agreed to hear the case...

...Lliuya’s lawsuit...is based on a nuisance law in the German civil code normally used in disputes between neighbors...The court ruled it could apply to RWE’s carbon emissions potentially damaging Lliuya’s home...

...[M]any doubt there is enough evidence to link a particular instance of climate change to a specific company like RWE...Roda Verheyen, the lawyer leading Lliuya’s case, says that is not their intention...Verheyen argues that carbon dioxide emitted by RWE has contributed to raising the probability of extraordinary events like glacier melt or breakages threatening Lliuya’s home...[T]he court appointed two experts...Over the coming months they’ll assess the risk to Lliuya’s home, the role of climate change and to what degree RWE is responsible.  The outcome largely rests on their conclusion, Verheyen says.  Guido Steffen, a spokesperson for RWE, says Lliuya’s claims have no legal basis...If Lliuya wins his case, it might set a significant legal precedent in Europe. But even the lower court ruling was a valuable win, Verheyen says...

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15 February 2018

"Klimaklage" gegen RWE: Oberlandesgericht Hamm weist Gegenvorstellung des Unternehmens gegen Beweisbeschluss zurück

Autor/in: Entwicklungspolitik Online

Das Oberlandesgericht Hamm hat im Verfahren des peruanischen Bergführers und Kleinbauern Saúl Luciano Lliuya gegen RWE eine Art Eilantrag ("Gegenvorstellung") des Unternehmens gegen den Beweisbeschluss zurückgewiesen. Damit habe das Gericht unmissverständlich klargestellt, dass große Emittenten für Folgen des Klimawandels zur Verantwortung gezogen werden können... Jetzt könne es unverzüglich in die Beweisaufnahme gehen.

"Wie erwartet hat das Gericht erneut klar festgestellt: Klimaschäden können eine Unternehmenshaftung begründen", sagte Dr. Roda Verheyen (Hamburg), die Rechtsanwältin des Klägers. "Das wird in diesem Beschluss sogar noch deutlicher als im vorherigen Beweisbeschluss vom November. Endlich gehen wir jetzt wirklich in die Beweisaufnahme." [...]

Entgegen der Meinung von RWE sei auch die Haftung nicht dadurch ausgeschlossen, dass die Kohleverstromung in Deutschland zur Daseinsvorsorge beitrage. Es sei nicht erforderlich, dass die Treibhausgasemissionen selbst rechtswidrig seien, so das Gericht. Es reiche, dass die Beeinträchtigung - also hier das Flutrisiko aus dem Gletschersee - "unzumutbar" sei...

Das macht diesen Fall schon jetzt zu einem weltweit relevanten Präzedenzfall. Und das sogar unabhängig davon, wie die bevorstehende Prüfung der wissenschaftlichen Begründetheit in diesem Einzelfall ausfällt... 

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1 December 2017

"Klimaklage" gegen RWE: Oberlandesgericht Hamm entscheidet den Eintritt in die Beweisaufnahme

Autor/in: Germanwatch

"Historischer Durchbruch mit weltweiter Relevanz bei 'Klimaklage'", 30 Nov 2017

Die heute verkündete Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm für den Eintritt in die Beweisaufnahme im Fall Saúl Luciano Lliuya gegen RWE ist von größter rechtlicher Bedeutung. Erstmals hat ein Gericht bejaht, dass prinzipiell ein privates Unternehmen für seinen Anteil an der Verursachung klimabedingter Schäden verantwortlich ist. Dies gilt dann, wenn ein Anteil konkreter Schäden oder Risiken für Privatpersonen oder ihr Eigentum den Aktivitäten des Unternehmens zugeordnet werden kann... [D]ie heutige Entscheidung [hat] nach Einschätzung der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, die die Klage unterstützt, ab sofort erhebliche Auswirkungen für die Rechtspflichten der großen Emittenten weltweit. Das entsprechende Klagerisiko müsse gegenüber den Aktieninhabern mitgeteilt und entsprechende finanzielle Rücklagen gebildet werden - Investoren müssten dieses Risiko bei ihrer Anlageentscheidung berücksichtigen... Die Entscheidung etabliert mit solider Begründung die rechtliche Kausalität für solche Fälle, die bislang nicht akzeptiert worden war...

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Autor/in: Germanwatch

"Historic breakthrough with global impact in 'climate lawsuit'", 30 Nov 2017

The decision announced today by the Higher Regional Court Hamm (Germany) to enter into the evidentiary stage in the case of Saúl Luciano Lliuya against the german utility RWE is of great legal relevance. It is the first time that a court acknowledged that a private company is in principal responsible for its share in causing climate damages... Today’s decision [...] has immediate implications on the legal duties of great emitters all around the globe... The relevant litigation risk has to be communicated to shareholders and adequate financial reserves must be built - investors will have to take those risks into account when taking their investment decisions... The decision establishes a solid argument for legal causality in cases that were not accepted before... The case at hand now enters into the next stage – the taking of evidence. After the legal argument of this case has been accepted by the court, the task is now to prove the plaintiff’s concrete claims before the court.

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Autor/in: AFP (France) and Guardian (UK)

German court to hear Peruvian farmer's climate case against RWE ", 30 Nov 2017

A German court has ruled that it will hear a Peruvian farmer’s case against energy giant RWE over climate change damage in the Andes...

...Lliuya argues that RWE, as one of the world’s top emitters of climate-altering carbon dioxide, must share in the cost of protecting his hometown Huaraz from a swollen glacier lake at risk of overflowing from melting snow and ice.

...Now the court must decide whether “the accused’s contribution to the chain of events depicted here is measurable and calculable,”...

...The court said in a statement that it will choose experts to evaluate the claim in cooperation with both plaintiff and defendant, with Lliuya paying about €20,000 in fees up front.

...RWE could not immediately be reached for comment.

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16 November 2017

"Klimaklage" gegen RWE: Große Emittenten sind grundsätzlich verpflichtet, Betroffene von Klimaschäden zu unterstützen

Autor/in: Germanwatch

"Großemittenten sind verantwortlich für Folgen des Klimawandels", 13 November 2017

Der als "Klimaklage" bekannt gewordene Fall des peruanischen Bergführers und Kleinbauern Saúl Luciano Lliuya gegen RWE geht weiter... Für Luciano Lliuya und seine Anwältin Dr. Roda Verheyen (Hamburg) ist das ein enormer Etappenerfolg. "Der 5. Zivilsenat hat heute Rechtsgeschichte geschrieben. Dieses Votum ist eindeutig", sagte Verheyen strahlend nach der Verhandlung. "Erstmals meint ein Gericht, dass Mitverursacher des Klimawandels grundsätzlich für den Schutz vor Risiken aufkommen müssen, die anderen infolge der Klimaveränderung entstehen. Dass RWE mitverantwortlich ist für die Gefahren in Huaraz, müssen wir jetzt im Detail beweisen..." [...] [J]etzt wird offensichtlich, dass auch große Konzerne Verantwortung übernehmen müssen für die Folgen ihres Handelns", sagte Lliuya.

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Autor/in: Peter Wirth & Michelle Fitzpatrick, AFP & Digital Journal

"Peruvian farmer scores small win in court over German energy giant", 13 Nov 2017

...[A] German court said [a Peruvian farmer's] appeal against...RWE, which he accuses of contributing to climate change that is threatening his Andean home, had merit.

...[T]he higher regional court in the western city of Hamm said Saul Luciano Lliuya's demand for damages from RWE was "admissible", paving the way for the case to proceed.

Luciano argues that RWE, as one of the world's top emitters of climate-altering carbon dioxide, must share in the cost of protecting his hometown Huaraz from a swollen glacier lake at risk of overflowing from melting snow and ice...

The appeal court's decision... was hailed as a win by climate change activists...

...The Hamm court said it would give both sides until November 30 to provide further arguments before deciding on the next steps, but that it was "likely" the case would proceed to hearing evidence.

...After the decision, RWE reiterated its view that the complaint was "not acceptable" and was even "unjustified," arguing that a single company cannot be held liable for specific consequences of climate change...

...Luciano wants RWE to pay 17,000 euros ($20,000) to help pay for flood defences fo his community in Peru's northern Ancas region...[and] to reimburse him for the 6,384 euros he...has spent on protective measures...

[See RWE case profile here]

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