SPIEGEL-Recherche zu Batterie-Recycling: Bleivergiftungen bei Arbeiter*innen; dt. Autofirmen gestehen Fehler

Nach einer neuesten SPIEGEL-Recherche haben mehrere deutsche Autohersteller, wie Volkswagen, BMW, Daimler und Opel, schwere Verstöße gegen Umwelt- und Menschenrechtsstandards in ihrer Rohstofflieferkette eingeräumt. Grund dafür sind Unregelmäßigkeiten bei der Beschaffung von Blei, das für die Produktion von Fahrzeugbatterien benötigt wird. Zu den betroffenen Unternehmen gehört auch der weltgrößte Autobatteriehersteller Johnson Controls, der Autozulieferer Bosch sowie die Recyclingfabrik Weser-Metall.

Bereits 2016 hatte eine Studie des Öko-Instituts auf die gesundheitsgefährdende Problematik im Zusammenhang mit dem Recycling von Blei aus alten Autobatterien hingewiesen.

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17 December 2018

Nigeria: Bleivergiftung von Arbeiter*innen beim Batterie-Recycling; dt. Autofirmen gestehen Fehler ein

Autor/in: Petra Sorge, Spiegel Online

"Blei aus Autobatterien vergiftet Dorfbewohner", 15. Dez 2018

Die Autohersteller Volkswagen, BMW, Daimler und Opel haben schwerwiegende Verstöße gegen Umwelt- und Menschenrechtsstandards in ihrer Rohstofflieferkette eingeräumt. Grund sind Unregelmäßigkeiten bei der Beschaffung von Blei, das für die Produktion von Fahrzeugbatterien benötigt wird. Betroffen sind auch der weltgrößte Autobatteriehersteller Johnson Controls sowie die Recyclingfabrik Weser-Metall. [...]

Wie der SPIEGEL [...] berichtet, hat die Recyclingfabrik Everest Metal Nigeria Limited Umwelt- und Arbeitsschutzauflagen missachtet und ohne gültige Lizenz Blei exportiert. Es gelangte über einen britischen Agenten von Nigeria auch nach Deutschland. [...]

Das Unternehmen [...] sammelt alte Autobatterien, legt das darin enthaltene Blei frei und gießt es zu Barren. Produktionsabgase und Abwässer werden ungefiltert ins Dorf entlassen. [...] Im Umfeld der Recyclingfabrik hatten Wissenschaftler im vergangenen Jahr extrem hohe Bleiwerte im Boden entdeckt. [...] Aktuelle Bluttests bei Freiwilligen in Ipetoro deuten zudem auf eine Vergiftung der Bevölkerung hin. [...]

Die deutsche Firma Weser-Metall, die wiederum den Batteriehersteller Johnson Controls beliefert, erklärte mit Blick auf seinen britischen Lieferanten WITL: "Von diesem kaufen wir kein Material mehr." Der Autobatterie-Hersteller Johnson Controls versicherte, "unverzüglich eine Untersuchung mit dem Lieferanten eingeleitet" zu haben. VW kündigte an, künftig "alle unsere Lieferanten schon vor Vergabe mittels eines Nachhaltigkeits-Ratings zu bewerten". Opel teilte mit, man habe "angemessene Korrekturmaßnahmen" von Johnson Controls verlangt. Daimler wiederum gibt an, man habe eine "weitergehende Transparenzschaffung" vereinbart. Der Autozulieferer Bosch schrieb, er behalte sich vor, "von bestehenden Verträgen zurückzutreten". [...]

"Wir akzeptieren keine Verstöße unserer Nachhaltigkeitsstandards in unserer Lieferkette", erklärt BMW. Man habe [...] "Johnson Controlls kontaktiert". [...]

[Das Statement von BMW wurde der SPIEGEL Print-Ausgabe Nr. 51/2018 entnommen.]

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Artikel
17 December 2018

Schwere Bleivergiftungen bei Batterie-Recycling in Afrika

Autor/in: Öko-Institut e.V.

"Die dunkle Seite des Bleirecyclings - jetzt auf der UN-Tagesordnung", 18 Mai 2016

[...] Insbesondere in Ländern südlich der Sahara führt das unsachgemäße Recycling zu schwerwiegenden und zum Teil lebensbedrohlichen Bleivergiftungen der Arbeiter sowie Anwohnerinnen und Anwohner kleiner und großer Bleihütten, darunter auch Kinder. [...]

Regierungs- und Aufsichtsbehörden vor Ort müssen Standards zum umwelt- und gesundheitsgerechten Recycling von Bleibatterien massiv durchsetzen. [...]

In Afrika fallen jedes Jahr über 800.000 Tonnen Blei aus Altbatterien an. Vor Ort gibt es meist jedoch keine industrielle Verwendung für das Schwermetall. Deshalb wird der Rohstoff zum größten Teil exportiert – vor allem an Bleiraffinerien in Europa und Asien, die wiederum die Hersteller von Autobatterien beliefern.

„Die Großabnehmer von Blei – etwa die europäische Kfz-Industrie – sollten die Verantwortung für ihre Zulieferkette übernehmen“, fordert Andreas Manhart, Wissenschaftler am Öko-Institut. „Zum Teil geschieht dies bereits, häufig jedoch nur über Vorgaben an den ersten Zulieferbetrieb. Der Anfang der Kette wird dabei weitgehend ausgeblendet. Hier sollte die Industrie deutlich strengere Standards setzen.“ [...]

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