Gefährliches Pestizid - Whistleblower erhebt schwere Vorwürfe gegen Syngenta
Syngenta verkauft Paraquat unter dem Markennamen Gramoxone. Whistleblower Heylings hat jahrzehntelang für die Industrie zur Sicherheit von Paraquat geforscht. Jetzt erhebt er schwere Vorwürfe.
Paraquat ist hochwirksam gegen Unkraut. Gleichzeitig sind seit der Einführung vor über 50 Jahren tausende Menschen daran gestorben. Es sind vor allem verzweifelte Bauern in Entwicklungsländern, die damit Suizid begehen. Whistleblower Heylings ist überzeugt, dass man Menschenleben retten könnte: «Es gibt eine einfache Lösung. Man müsste deutlich mehr Brechmittel beimischen, damit das Opfer das Gift sofort erbricht.»
Seit den 1970er-Jahren mischt die Industrie Paraquat ein Brechmittel bei. Rasches Erbrechen soll vor dem Vergiftungstod retten. Heylings hatte schon als junger Forscher mehrmals gefordert, bis zu zehnmal mehr Brechmittel beizumischen – erfolglos. Die von ihm kritisierte Formel ist mittlerweile Standard bei Syngenta und anderen Herstellern.
«Syngenta hat sich intensiv mit Jon Heylings und seinen Argumenten auseinandergesetzt», schreibt der Konzern der «Rundschau». Doch es gebe «keine klinischen Erkenntnisse», die eine Erhöhung des Brechmittels rechtfertigen würden ...
Die Firma betont, sie habe hunderte Millionen in die Verbesserung von Paraquat-Produkten investiert. Syngenta setze stark auf die Schulung von Landwirten. Den Paraquat-Produkten seien Farb- und Geruchsstoffe beigemischt – damit niemand irrtümlicherweise davon trinke. Syngenta will zudem ein neues Verpackungssystem lancieren, das die Sicherheit weiter verbessern soll.
Für Jon Heylings aber ist mehr Brechmittel noch immer die beste Option. Denn in Entwicklungsländern sei die medizinische Versorgung oft schlecht – Erbrechen könne hier Leben retten. Diesen Frühling werden die gesundheitlichen Risiken von Paraquat auch die US-Justiz beschäftigen. In diesem Rahmen wird auch Heylings aussagen. Er sagt: «Diese Frage raubt mir seit Jahren den Schlaf. Ich möchte endlich abschliessen können.»