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2026年4月21日

著者:
tagesschau

Deutschland: Indische & vietnamesische Arbeiter in der Fleischindustrie werden laut MONITOR-Recherchen ausgebeutet

申立

"Vorwurf der Ausbeutung: Wie Arbeiter für die Fleischindustrie angelockt werden"

Für die deutsche Fleischindustrie werden zunehmend Arbeitskräfte aus sogenannten Drittstaaten angeworben - gegen hohe Vermittlungsgebühren. Hoch verschuldet leben und arbeiten sie dann unter prekären Bedingungen, wie Monitor-Recherchen zeigen.

Es sind meistens junge Männer aus Drittstaaten wie Indien und Vietnam, die nach Deutschland kommen. Der deutsche Lohn lockt die Menschen aus Ländern, in denen sie nur einen Bruchteil verdienen.

Doch der Traum von Europa wird für etliche Menschen aus Drittstaaten zur Falle: Sie geraten offenbar in ausbeuterische Verhältnisse und starke Abhängigkeit. Sie kommen mit Visa für Fachkräfte oder Saisonarbeiter und bezahlen für ihren Job in Deutschland vier- bis fünfstellige Summen an Vermittlungsgebühren - Schulden, die sie teils jahrelang in Deutschland abarbeiten müssen.

Recherchen des ARD-Politikmagazins Monitor zeigen, wie Vermittlungsagenturen für die deutsche Fleischindustrie ständig billige Arbeitskräfte nach Europa locken - und sogar vor Ort in Asien mitverdienen.

Hohe Gebühren: Was wusste Westfleisch?

"Meine Familie hat ihr ganzes Gold verkauft", berichtet ein junger Mann gegenüber Monitor. Er kam erst im vergangenen Jahr aus dem indischen Bundesstaat Kerala für einen Job bei Westfleisch nach Deutschland. Kein Einzelfall - etliche Arbeiter von Westfleisch berichten von hohen Gebühren, darunter Männer aus Vietnam: "Nach unserer Hochzeit hatten meine Frau und ich noch etwas Geld übrig. Den Rest habe ich mir dann von Nachbarn, Verwandten und Geschwistern geliehen", erzählt einer der Männer.

Westfleisch zeigt sich auf Monitor-Anfrage schockiert. "Wir missbilligen dieses Vorgehen ausdrücklich und stehen als Arbeitgeber für unsere Mitarbeitenden ein", heißt es. Das Unternehmen selbst räumt ein, dass Gebühren von bis zu 15.000 Euro an Vermittlungsagenturen bezahlt wurden. Die verlangten Summen widersprächen dem eigenen Werteverständnis "zutiefst".

Die Menschenrechtsexpertin Mimi Vu von der Organisation "Raise Partners" aus Vietnam nimmt die handelnden Konzerne indes in die Pflicht: "Die Unternehmen tragen die Verantwortung, sicherzustellen und zu überwachen, dass die Arbeiter, die sie einstellen und die ihnen von Agenturen vermittelt wurden, im Rekrutierungsprozess nicht ausgebeutet werden. Es braucht Rechenschaftspflicht, es braucht Verantwortung. Und das gilt für jede Art von Rekrutierung, besonders wenn es um Arbeitskräfte aus dem Ausland geht."[...]

Monitor-Reportern ist es zudem gelungen, wochenlang "undercover" Kontakt zu einer Personalvermittlung aufzubauen, die für Deutschlands Fleischkonzerne Arbeitskräfte vermittelt hat: der GG&C GmbH aus Süddeutschland. In der Vergangenheit hat diese für die Firma Westfleisch mehr als 100 Menschen aus Drittstaaten vermittelt. [...]

Auf Anfrage distanziert sich die GG&C GmbH ausdrücklich von überhöhten oder intransparenten Gebühren, man setze sich für faire Bedingungen ein. Doch das Unternehmen räumt ein, dass lokale Partner für bestimmte Dienstleistungen vor Ort Aufwandsentschädigungen berechnen. Westfleisch teilt auf Anfrage mit, die Zusammenarbeit mit der GG&C GmbH mittlerweile beendet zu haben.

Zu den Kunden dieser Agentur gehörten nach Monitor-Recherchen auch andere Unternehmen der Fleischbranche, bis hin zum Branchenriesen "Tönnies", heute "Premium Food Group". Das Unternehmen teilt mit, die Zusammenarbeit mit der GG&C GmbH inzwischen beendet zu haben: "Solche Praktiken sind für uns inakzeptabel." Die Rekrutierung von Arbeitskräften erfolge "ausschließlich rechtskonform". Darüber hinaus gibt der Tönnies-Konzern an, nach wie vor alle rekrutierten Arbeitnehmer aus Indien zu beschäftigen.

Kündigung bei Krankheit?

Für die Arbeiter aber bleibt die Lage oft schwierig. So berichten andere indische Arbeiter darüber, von Westfleisch im Krankheitsfall in der Probezeit entlassen worden zu sein. Weil der Arbeitgeber in diesem System häufig auch die Wohnung stellt und die Miete direkt vom Gehalt einbehält, hätten sie auch die Schlafplätze räumen müssen. Westfleisch schreibt dazu auf Anfrage, dass in der Vergangenheit "in Einzelfällen (…) die Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden beendet" worden sei. Man wolle nun ein "finanzielles Unterstützungspaket für besonders betroffene Mitarbeitende aufsetzen".

Doch Monitor-Recherchen zeigen: In Vietnam hat Westfleisch selbst Vermittlungsgebühren von Mitarbeitern kassiert. Auf Anfrage bestätigt Westfleisch, zeitweise Vermittlungspauschalen erhoben zu haben. Man sei damit dem - in Vietnam gängigen und rechtskonformen Modell - gefolgt. Diese hätten eine "angemessene und vertretbare Höhe" gehabt und unter anderem einen Sprachkurs beinhaltet. [...]