Germanwatch | Omnibusvorschlag ist Deregulierung statt Entbรผrokratisierung
"Deregulierung statt Entbรผrokratisierung," 5. Mรคrz 2025
Eine Analyse der EU-Omnibus-Vorschlรคge fรผr die Lieferkettenrichtlinie (CSDDD)
รber Wochen war kaum etwas nach auรen gedrungen von den Vorschlรคgen des fรผr โBรผrokratieabbauโ zustรคndigen EU-Kommissars Dombrovskis fรผr die erste der sogenannten Omnibus-Initiativen...ย Wie aber sind die von der EU-Kommission vorgelegten Vorschlรคge inhaltlich zu bewerten?ย In einem zweiteiligen Blogbeitrag analysiert Germanwatch, ob die angekรผndigten รnderungen der EU-Lieferkettenrichtlinie (CSDDD), Richtlinie fรผr Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) und Taxonomie-Verordnung das angekรผndigte Ziel der โVereinfachungโ erfรผllen... In diesem ersten Teil widmen wir uns der CSDDD...
Der Tier-1-Irrweg
Statt wie bislang vorgesehen den UN-Leitprinzipien fรผr Wirtschaft und Menschenrechte folgend konsequent auf einen risikobasierten Ansatz zu setzen, der es Unternehmen erlaubt, je nach Schwere der vermuteten menschenrechtlichen Risiken oder Auswirkungen ihre Maรnahmen zu priorisieren, soll nun der Fokus, ebenso wie beim LkSG, auf den unmittelbaren Zulieferern (der sogenannte tier 1) liegen.ย
Ein solcher Ansatz geht nicht nur auf Kosten der Betroffenen in den Lieferketten... Er verleitet auch zu einer Fehlanwendung des Gesetzes...
Zurรผck zur Freiwilligkeit?ย
Der vielleicht radikalste Vorschlag der EU-Kommission betrifft die Durchsetzung und Kontrolle der Einhaltung der CSDDD-Pflichten. Er sieht vor, die auf EU-Ebene geregelte zivilrechtliche Haftung gรคnzlich zu streichen. Zudem sollen die verbindlichen Vorgaben fรผr behรถrdliche Buรgelder bei Verstรถรen wegfallen... Dieser Logik folgt auch ein weiterer fataler Omnibus-Vorschlag: Die vorgesehenen 1,5-Grad-kompatiblen Klima-Transitionsplรคne sollen kรผnftig nicht mehr explizit verpflichtend umgesetzt werden mรผssen...
Ziel der Entlastung von KMU rรผckt in den Hintergrund
Im Mittelpunkt der รถffentlichen Diskussion zu (angeblichen oder tatsรคchlichen) Belastungen durch das Lieferkettengesetz stehen immer wieder die praktischen Probleme kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU). Von den vielen von der Kommission vorgeschlagenen รnderungen an der CSDDD betrifft allerdings nur eine unmittelbar KMU: Informationsabfragen an Geschรคftspartner mit weniger als 500 Mitarbeitenden sollen inhaltlich nicht mehr รผber die eigens fรผr KMU konzipierten, freiwilligen VSME-Standards hinausgehen dรผrfen...
Das Ergebnis schlecht beratener und aktionistischer Politik
In der Gesamtschau des Omnibus-Vorschlags zur CSDDD ergibt sich ein verheerendes Bild... Die Folge ist eine EU-Lieferkettenrichtlinie, die droht, weitgehend wirkungslos zu werden. Es wird nun darauf ankommen, wie viel Gegenwind die Kommission aus Parlament und Ministerrat entgegenschlรคgt. Die S&D-Fraktion hat bereits ihren Widerstand angekรผndigt, zahlreiche SPD- und Grรผnen-Politiker:innen haben gemeinsam mit Fรผhrungskrรคften aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft einenย Appell gegen die Abschwรคchung der CSDDD unterzeichnet...